Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Juli 1950 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

13. Juli 50.
Hermanns Geburtstag.
Meine einzige Freundin!
Gestern hat nun auch der Stuttgarter Vortrag stattgefunden, und ich bin nach diesen vielen Exkursionen bei meistens gewittrigem Wetter einigermaßen müde.
In Karlsruhe holte mich um ¾ 5 der Dr. D. ab. Ich hatte nicht gerade viel Freude daran, daß er mir – in dem hübschen Stadtgarten am Bahnhof – in seiner lehrhaften Art den ganzen Inhalt seiner Fichtearbeit vortrug, während ich meinen eigenen Vortrag im Kopf hatte. Infolgedessen konnte ich auch den geplanten Besuch bei Trautz (Japan) nicht machen. Es war schauderhaft feuchtschwül. Aber das große Aud. war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die sehr lange Rede fand, wie dieses Thema immer, größtes Interesse. Hinterher sah ich unter anderen die Mutter
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| und Schwester von Schinzinger. In der hübschen Mensa fand noch ein Abendessen im kleinen Kreise mit angenehmen Kollegen und Kollegenfrauen statt. Übernachtung im Schloßhôtel. (Ich war gut disponiert, u. das Ganze war sehr hübsch.)
Am 6. um 10 fuhr ich nach Baden-Baden [li. Rand] Baden-Baden ist wieder vorzüglich gepflegt und voll Leben. und war etwa 5 Stunden mit den Damen v. Glasenapp zusammen. Wir gingen nur auf das Neue Schloß. Die alte Dame hält sich noch recht gut, obwohl die Verhältnisse nicht gerade günstig sind. Für die Omnibusfahrt über den ganzen Schwarzwald 17–20.20 war das Wetter recht angenehm. In Freudenstadt beginnt man endlich, aufzubauen, wieder mit Arkaden, zunächst an der Ecke, wo die "Linde" war.
Mit Frl. Silber, die am Montag wieder abgereist ist, haben wir kleinere Spaziergänge gemacht; ich war auch mit ihr in Reutlingen auf dem Panoramaweg. Zwischendurch mußte ich aber, außer dem laufenden Betrieb u. anderen Besuchen, auch noch für den Stuttgarter
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| Vortrag "Aus der Geschichte der Leibnizakademie." arbeiten. Ich wurde im Auto hin- und zurückbefördert. Das Publikum in Stu. ist doch immer schwerfälliger als anderwärts. Es gelang mir aber, es doch zu interessieren, und diesmal wurde sogar ein Witz verstanden. Natürlich viele Bekannte (Bäuerle, Dietrich Seckel.) Das Abendessen in der gräßlich lauten Mensa war kein Genuß.
Am Dienstag war Herr Schmeil hier und hatte 2 Stunden Zeit für uns. Ich war auch bei der armen Marta Wais.
Nun sitzen wir da, jede Stunde auf den Besuch der Wohltäterin Frau Bird (Washington) wartend. Der Semesterschluß bringt bis zum letzten Vorlesungstage (28.7.) natürlich ein Unmaß von Arbeit ........
Am 2. August werde ich, wenn alles glatt geht, kurz nach 12 in Heidelberg ankommen und mindestens 4 Stunden dort bleiben können. Überlege Dir inzwischen, wo wir da ruhig, vielleicht sogar im Freien, Mittag essen können; aber nicht in der St. Peterstr. 12. Denn
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| dann geht wieder alle Zeit für das Fahren und den "Apparat" drauf.
Die Fakultät hat in sehr guter Form den Wunsch ausgesprochen, daß ich meine Lehrtätigkeit fortsetze. Ich habe mich dafür zunächst auf ein Jahr bereit erklärt.
Die allgemeine politische Lage gefällt mir garnicht. Unablässig werden meine noch amtierenden Bekannten aus Schulen und Universitäten fristlos entlassen, z. T. müssen sie fliehen. In der G.G. steht es auch kritisch.
Die 3 Assistenten haben mir die schwäbischen Klosterbilder geschenkt, die nun mit Deinen schönen Photographien eine hübsche Erinnerung an Maulbronn bedeuten.
Verzeih, wenn ich, obwohl noch manches zu beantworten und zu erzählen wäre, hier Schluß mache. Ich habe noch ein großes Pensum für heute¹), [li. Rand] ¹)Die Diss. eines Persers aus Asserbeidschan, eines lieben und tüchtigen Menschen, nimmt mir mit der Korrektur des Sprachlichen etc. ungeheuer viel Zeit weg., und das Tintenfaß ärgert mich, weil es voll Dreck statt Tinte ist. Ich wollte nur endlich wieder einmal einen Brief schreiben und Dir sagen – nun ja, was Du ja immer weißt.
In innigem Gedenken
Dein
Eduard.

[re. Rand] Susanne war mit einer Omnibusladung v. Berliner Damen in Zwiefalten.