Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. August 1950 (Tübingen)


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Tübingen, den 31. August 1950.
<Zeichnung unter dem Datum: 3 Sterne zu einem Dreieck angeordnet>
Meine einzige Freundin!
Wenigstens einen kurzen Gruß am 47. Gedenktage! Deinen lieben Brief erhielt ich gestern noch in L. 1 Stunde vor der Abfahrt. Ist die Verbrennung – wie kam sie – ganz wieder gut? Ich habe nie viel von Köcheln gehalten!
Wir sind gestern um ¾ 5 abgefahren und um 9 bereits in Tübingen gewesen. Die letzten Tage standen sehr im Zeichen von Schwüle und schweren Gewittern. Am schlimmsten war es am Sonntag. Wir mußten den Plan, von Gutachbrücke nach Friedenweiler zu gehn (wie wir 1926 im September) aufgeben, weil es bei der Abfahrt des Zuges Spitzbuben goß. Stattdessen aßen wir in Kappel im "Stern" Mittag, konnten uns aber nur noch bis Gutachbrücke schleppen. Montag und Dienstag begnügten wir uns mit kleineren Wegen, u. a. nach Falkau zu. Das ist garnicht so weit; damals war es nur als zusätzliche Leistung so anstrengend.
Der Aufenthalt war im ganzen wohlgelungen. Übrigens auch billig, 150 M billiger als Scheidegg bei allerdings nur 18 statt 20 Tagen.
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| Gleicher Geschmack und gleiches Interesse sind allerdings nicht mehr so wie "zu unsrer Zeit." Die Begegnung mit Frl. Geppert ist nicht mehr zustande gekommen.
Frau Kühne schreibt von der Haute Garonne, daß sie dort mit der Familie allein zurückgeblieben ist, während Rudolf in Paris für sie alle vergeblich Wohnung sucht.
Der Berg von Post, den ich in 2 Stunden gesichtet habe, war wieder unbeschreiblich. Schrieb ich schon, daß ich am 7. September nun in den Prozeß Un. Erlangen gegen Günther als Zeuge hier vorgeladen bin? Hast Du den Artikel aus der Deutschen Zeitung bekommen können? Irgend jemand in der Post nennt DilsbergNeckarsteinach als seine Traumlandschaft. Bleibt B. v. A. noch länger in Heidelberg?
Meine nächsten Unternehmungen sollen sein 1) Rottweil, Lehrertagung. 2) vielleicht – ungern – Comburg. 3) Zürich. 4) Saarbrücken.
Viel Ärger mit der G.G.
Ich lege einen Brief von Joh. Richter bei, damit Du etwas von ihr hörst, bitte aber um baldige Rücksendung.
Auch heute ist es wieder schwül. Am 31.8.03 war ja ebenfalls ein recht heißer Tag. Davon ist nur die – heiße Liebe geblieben.
Innigst Dein
Eduard.

[] Louvaris hat nichts hören lassen. Am 4.9. kommt Diem zum Turnerfest her.