Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. November 1950 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

6. Nov. 50.
Meine einzige Freundin!
Heute vor 14 Tagen kam ich in Heidelberg an. Ich habe seitdem nicht geschrieben, weil sich nichts von Belang ereignet hat. Die Zugverbindung hierher, die ich am 25.X. benutzte, ist die beste, die man haben kann: 8.08 ab, 12.03 an.
Es war doch sehr freundlich von der Wetterdirektion, daß wir den sonnigen Tag in Neckarsteinach noch haben konnten. Die Stunde am Neckar in der Sonne war besonders schön, und die Erinnerung daran soll uns durch den langen Winter begleiten, der auch hier schon am 27.X. recht unerfreulich eingesetzt hat. Wir haben seit Wochen ein Gerüst vor den Fenstern; die Außenfenster mußten deshalb wieder herausgenommen werden. Nun gehen die Arbeiten natürlich nicht weiter.
Von den beiden Héraucourts kann die Tochter leider nur ein Gegenstand unablässiger Pflege sein. Es ist lieb von Dir, wenn Du hingehst – aber wenn es steil bergan geht, ist es mir eigentlich nicht recht. War es Dir möglich, die andere kleine
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| Person
zu besuchen, die so ganz und gar das Gegenteil ihres Namens ist?
Wir hatten vor ein paar Tagen den sehr sympathischen Besuch der jungen Witwe Hangleiter aus Stuttgart, die wir in Scheidegg kennen gelernt hatten. Auch äußerlich sehr angenehm; eine Bereicherung, was man selten sagen kann. Gestern waren Frau Titze u. ihre jüngere Tochter hier (wir haben 1945 bei ihnen in Dahlem "im Gehege" gewohnt.) Nun sind mit Erbes Hilfe beide auch hierhin übergesiedelt.
Die Studenten treffen hier zum Semester immer später ein. Ich habe aber doch am 3.XI. schon das Seminar eröffnet. Morgen um 8 kann ich endlich auch die Vorlesung anfangen. Deshalb ist heute noch allerlei zu tun, und der Brief wird nur kurz. Übermorgen soll ich ja in Speyer sein; ich werde dann lebhaft zu Dir hinübergrüßen und alter Wege via Altlußheim gedenken. Zum Schluß aber danke ich wärmstens für die Güte und Mühe der Bewirtung in Deinem Zimmer, für dessen Erwärmung Du auch weiter aufmerksam besorgt sein sollst.
Alle grüßen, vor allem Dein
getreuester
Eduard.

[Fuß] Soeben Deine lieben Zeilen u. ein Brief v. Frl. Hérauc., der <li. Rand> zuversichtlich klingt – zu meiner Freude.
[re. Rand] Eine Carosse wird eingetroffen sein.