Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. Januar 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg. 31. Januar 1950
Mein liebes Herz!
Eigentlich ist die Situation nicht zu einem Brief geeignet, denn meine Augen sind müde und der Ofen will ausgehen, aber ich muß Dir doch unbedingt wenigstens einen Gruß schicken: in dreierlei Hinsicht! Denn erstens möchte ich Dir danken für das "Heimatsfest", das mich herzlich erfreut, und so mancherlei Gedanken weckt. Wo haben wir Berliner jetzt unsre Heimat? Eigentlich nur noch ganz innen, in dem was uns das Leben "bedeutet".
Zweitens möchte ich mich entschuldigen, daß ich neulich die Möglichkeit erwog, ob Du bei einem Aufenthalt in Reutlingen, etwa die kranke Hanna Heraucourt besuchen könntest? Es sollte keine Zumutung für Dich sein, nur eine Anfrage, ob es sich vielleicht ohne Schwierigkeit machen ließe. Das arme Wesen tut mir so sehr leid, und sie ging so widerstrebend dorthin.
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Ich habe hier inzwischen mit dem Auge – des Huhns zu tun. Es ist natürlich eine recht mühsame Sache, da ich mal wieder mehr "aus der Tiefe des Gemüts" schöpfen muß, als ich am Apparat beobachten kann. Prof. Schreck erklärt sich immer sehr einverstanden, aber ich bin nicht zufrieden. So schleppt sich die Sache zwischen häuslichem Ausführen und Besprechung in der Klinik hin.
Seit es draußen meist unter Null ist, habe ich es mit dem Heizen schwerer. Ich köchle tüchtig ein, aber das Thermometer steigt sehr ungern! Der Ofen ist oben eigentlich zu klein für das große Zimmer. Der Schnee heute, ist übrigens schon wieder zu Wasser geworden. Ich gehe überhaupt so wenig wie möglich aus; aber die Fahrten in die Stadt sind oft nicht zu vermeiden.
Und nun will ich nur rasch noch zur Post, daß der Zettel morgen früh fortkommt, und Dir recht bald meine innigen Grüße bringt. Grüße auch Susanne, der ich bald selbst schreibe.
In treuem Gedenken
Deine
Käthe.