Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12./13. Februar 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg. 12.II.1950.
Mein liebes Herz!
Wenigstens einen kurzen Gruß muß ich Dir doch heute noch schreiben, denn ich habe Dir wieder so viel zu danken! Daß Du wirklich zur Hanna Heraucourt gegangen bist, entspricht wieder ganz Deiner echten Menschenliebe und ich danke Dir innig dafür. Ich hatte mir eigentlich schon Bedenken gemacht, daß ich es Dir überhaupt zugemutet hatte. Aber daß es entsprechend gewirkt hat und anerkannt wurde, kannst Du daraus entnehmen, daß es bereits am 9. in Tiefental bei der Mutter gemeldet wurde als "eine ganz große Freude", und ich von dieser am 11. den Dank empfing, der doch eigentlich Dir zukommt. – Es gehe der Hanna jetzt besser nach einem schlimmen Anfang dort und man hofft jetzt wieder.
Dein liebes Bleistiftzettelchen machte mich sehr glücklich und ich las es immer
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| wieder, denn es klang mir so besonders lieb. Auch für die Sendung, die es begleitete, nimm herzlichsten Dank. Eigentlich hatte ich gehofft, sie durch meinen Brief noch zu verschieben, denn ich hatte Dir deshalb mitgeteilt, wie sich die Kapitalien bei mir ungebührlich anhäufen. Ich will nun doch etwas davon auf die Sparkasse tun, obgleich ich das Vertrauen zu solchem Verfahren verloren habe. Aber man muß sich wohl an den Gedanken gewöhnen: so Pleite – so Pleite! Immerhin ist es wohl richtig, die übliche Methode zu befolgen.
Gestern habe ich nach langer Zeit so eine Art Spaziergang gemacht, weil mich die Sonne herauslockte. Aber kaum war ich unterwegs, da ballten sich schwarze Wolken zusammen, und es brach ein förmlicher Sturm los, gegen den man richtig ankämpfen mußte. Es war eigentlich schön, denn es war reine, staubfreie
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| Luft und ich fand es angenehm, mal ordentlich durchgeblasen zu werden, da man ja so lange im Zimmer eingeschlossen war. Ich ging nach Kirchheim, um meine Bauersleute mal wieder zu besuchen, damit sie nicht denken, ich käme nur, wenn ich was wollte. Leider traf ich die gute Frau nicht an, nur Vater und Tochter, sodaß mein Zweck nur halberfüllt war.

13.II. Von Häbler hatte ich einen Brief, der offenbar dadurch veranlaßt ist, daß seine Tochter, die im Ev. Taddenheim in Wieblingen ist, mich besuchen wollte und meine Wohnung nicht fand. Er schreibt etwas wehmütig von "früher" und den oft zu schweren Sorgen mit den verwahrlosten Kindern. Auch seine Frau scheint so krank zu sein, daß ihre Arbeitsfähigkeit in Frage steht. Aber daß Du ihm zweimal geschrieben hast hat ihn geradezu beglückt. Siehst Du, so reicht Deine Wirkung Kraft gebend bis in die Ferne! – Seltsam ist mir in
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| seinem Brief die Wendung: "Wenn ich nicht wüßte, daß Christus für uns alle gestorben ist, daß wir alle hernach in jene andere Welt gehen werden, dann möchte ich mir nicht so viel Mühe auferlegen." Das muß ich mir sehr übersetzen, um es zu verstehen.
Doch nun will ich einkaufen gehen und den Brief mit zur Post nehmen. Ich hoffe, daß diese zwei Semesterwochen noch befriedigend und möglichst wenig anstrengend verlaufen. Grüße Susanne herzlich und sei selbst gegrüßt in stetem Gedenken von
Deiner
Käthe.