Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19./23. Februar 1950 (Heidelberg)


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<im Scan ist die S. 3 am re. Rand teilweise um 1–3 Buchstaben abgeschnitten>
Heidelberg. 19.II.1950.
Mein liebes Herz!
Wenigstens das Datum will ich heute noch schreiben zum Zeichen des Gedenkens, wenn ich auch für einen Brief zu müde bin. Es war hier ein schöner, sonniger Tag, sodaß ich hoffe, Ihr habt ihn irgendwie im Freien gefeiert. Mir ist er recht prosaisch vergangen, denn ich hatte eine Arbeit angefangen, die hintereinander fertig werden mußte, eine Flickerei, die ich gern noch im alten Lebensjahr fertig machen wollte, damit es bei dem zu erwartenden Besuch der nächsten Woche nicht garso verlumpt bei mir aussähe. Ich habe nämlich den kleinen Teppich unterm Tisch frisch eingefaßt, denn die Reinlichkeitsbemühungen meiner guten Frau Moser hatten ihn unerfreulich ausgefranzt. Sie
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| selbst ist am Donnerstag nicht bei mir gewesen, hat sich krank gemeldet. Hoffentlich kommt sie diesmal, denn die guten Freunde reden bereits so nachdrücklich vom 25., den ich gern ignoriert hätte, daß ich nicht umhin kann, sie einzuladen. Ich denke also Rösel Hecht, Frau Buttmi und Hedwig Mathy werden mir den Tag "verherrlichen", eventuell auch Frl. Seidel. – Für den Sonntag habe ich mir die Rosmarie Häbler bestellt, und am 1.III. haben sich Frau Venediger und Frau Frobenius angesagt.x [li. Rand] x Was bereits telefonisch auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Du siehst also, die Fastenzeit wird für mich eine Flut von "Vergnügungen" bringen.
Einstweilen hört man hier nichts als Fastnachtsulk. Mir scheint es damit toller als je, und ich muß gestehen, daß es mir geradezu unheimlich erscheint. Es bedrückt mich dann in meinem Sinn, daß so viel noch ungeordnet bei mir ist, was ich gern recht persönlich bestimmt hinterlassen möchte. Damit aber mache ich leider
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| echt wenig Fortschritte, denn es ist immer so viel tägliche Arbeit, daß die Tage ungenutzt vergehen.

Am 23.II. Nun ist inzwischen, im Stillen erhofft und dann doch überraschend, ein lieber Brief von Dir gekommen und hat mich sehr erfreut, wenn ich auch Deine Arbeitsfülle etwas zu reichlich finde. Es betrübt mich, daß Du Dich davon bedrückt fühlst; aber morgen ist ja nun das Semenster zuende, und dann gibts ein ander Bild!
Die Aussicht, Dich zu sehen, erfüllt mich mit inniger Freude, die nur von der Besorgnis, es könne etwas dazwischen kommen, ge<Worteil unleserlich> ist. Ich will nicht zu sicher damit rechnen, aus Furcht vor Enttäuschung und warte lieber die endgültige Entscheidung ab. Du schreibst mir ja rechtzeitig, wann ich das Zimmer in der Rose wieder bestellen darf! Und Du überlegst Dir in der Bahn von Friedrichsfeld hierher dann auch, was Du für ein Programm für die Zeit
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| hier gern hättest! Vielleicht habe ich auch eine gute Idee!
Heute habe ich was Außergewöhnliches vor, das mir wie eine Zuwendung des Himmels für den Geburtstag vorkommt: einen Vortrag über Berlin mit Lichtbildern! Es fand schon mal statt und ich bedauerte, ihn nicht gehört zu haben. Nun las ich die Anzeige der Wiederholung in der Zeitung und Frau Buttmi wird mich begleiten. Vorhin war sie hier und sagte mirs zu. – So wirft der 25. durch die Güte meiner Freunde schon seine Strahlen voraus. Und am Tage selbst werde ich im tiefsten Herzen von dem Bewußtsein Deiner Nähe erfüllt sein. Wie dankbar bin ich dem Schicksal trotz aller Dunkelheit rundum! Du mußt nicht denken, ich sei weniger zufrieden, wenn Du mal nicht schreiben kannst. Ich weiß doch, wie überlastet Du bist und was Du so vielen Menschen bist.
Dieser Dröselbrief soll Dir nur einen sehr herzlichen Gruß bringen und die Versicherung meiner unsichtbaren Gegenwart in Tübingen, während ich hier sichtbar mit guten Freunden <li. Rand> beisammen sein werde. Auf gutes Wiedersehen! Immer Deine Käthe.