Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 17. März 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg, 17.III.50.
Mein liebes Herz!
Daß ich schon wieder schreibe, hat seinen Grund in einer Zuschrift von der Soforthilfe, die mich benunruhigt. Es wird da auf 28 Fragen Antwort verlangt, von denen nur die letzte mir Bedenken macht. Es heißt da: Sonstiges Einkommen: (auf freiwillige Leistungen von Familien-Angehörigen, charitativen Verbänden, vom früheren Arbeitgeber, Ärzte-Kammern etc. etc. auch wenn kein Rechtsanspruch besteht.)
Es ist nun keine Bezeichnung da, die auf meinen, – auf Deinen Fall paßte, und außerdem bin ich doch schon länger darauf aus, daß Du den Betrag wesentlich herabsetzen möchtest. Wie soll ich mich da verhalten? Es ist doch wohl als eine Privatsache anzusehen.
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Außerdem beschäftigt mich innerlich noch mehr, die Frage nach Deiner Reise nach Bremen. Frankf. Messe ist vom 19.–24., die für den Hinweg hinderlich war, aber wann kommst Du zurück? Auf alle Fälle mach es mir möglich, an die Bahn zu kommen, wenns auch nur für die üblichen 10 Minuten ist. (Hoffentlich mit richtiger Zeitangabe!!) Wirst Du Litt treffen? Dein Hiersein war doch garzu kurz und hat so manche Frage in mir zurückgelassen.
Ich war inzwischen mal bei Frl. Dr. Clauß, die den Blutdruck entschieden besser fand. Eigentlich war ich hingegangen, weil das Subjektivbefinden dem nicht entsprach. Es ist also wohl nur natürliche Alterserscheinung und die Müdigkeit des Frühlings, über die alle klagen.
Wir hatten einige ganz wunderschöne Frühlingstage und Sträucher und Bäume treiben sichtlich von Tag zu Tag. Aber auch die
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| Grippe blüht und ich fliehe sie bis zur Unhöflichkeit. Dafür bin ich nun schon bekannt.
Ich will sehen, ob dieser Wisch noch bis morgen zu Dir kommt, denn die Fragen sollen womöglich bis Montag beantwortet werden. Darum verzeih diesen flüchtigen Zettel und erwidere ihn womöglich kurz, ob Du meinen Standpunkt billigst.
Ich grüße Dich innig mit den herzlichsten Wünschen für ausruhende, stille Arbeit und freundliche Eindrücke!
Deine
Käthe.