Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16. Mai 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg 16. Mai 1950
Mein geliebtes Herz!
Ein Brief wird es heute nicht, aber ein Dank soll doch wenigstens endlich zu Dir kommen für die schöne Tübinger Rede, die gleichzeitig mit Deinem lieben Brief und einem nichtssagenden Schreiben von Cilli eintraf. Ich habe mich wiederholt hinein vertieft und kann mir lebhaft vorstellen, wie groß die Wirkung beim persönlichen Vortrag gewesen ist. – An Wimpfen erinnerte mich, was Du über den Eindruck der Begegnung Goethe's mit Napoleon sagt. Das erwähntest Du damals auf unserm Wege nach Rappenau. Aber auf irgend etwas eingehen und auch auf den lieben Brief kann ich heute nicht. Ich bin zu müde, denn ich habe zwei Tage so viel gezeichnet, daß ich ganz erledigt bin. Am Samstag wurde telefonisch angerufen, daß ich zu einem Augenspiegelbild kommen möchte. Das ist immer sehr anstrengend, da
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| die Assistenten meist nicht mit dem Apparat zurecht kommen, und ich mehr erraten als sehen muß. Ich kann ja leider nicht direkt mit dem Spiegel untersuchen. – Heut war ich dort von ½ 10 – ½ 2; und der hohe Chef wollte am Nachmittag die Arbeit kontrollieren, und so war ich um 4 Uhr nach dem gewärmten Essen, ohne richtige Mittagsruhe wieder dort und vergeblich, denn der Apparat war kaput. Aber etwas Überraschendes in andrer Art war, daß mir eine Assistentin einen Dr. Zollinger aus Basel vorstellte, der mit ihr die Stelle tauscht. Er machte einen netten Eindruck, brachte Grüße vom Vater, sprach von unserm Besuch bei ihnen und – wollte wissen, daß Du die Absicht habest, demnächst in die Schweiz zu kommen.? Wir werden uns natürlich bisweilen sehen, (vielleicht mit Matussek). Mit diesem habe ich vor, am Himmelfahrtstag vom Königstuhl aus nach Gaiberg oder Waldhilsbach zum Kaffee zu gehen.
Heut aber will ich nur möglichst schnell ins Bett! Aber da werde ich mein stilles Gespräch mit Dir fortsetzen, und jetzt noch viel innige Grüße und gute Wünsche anfügen. Grüße auch Susanne sehr herzlich.
<li. Rand>
In steter Treue Deine alte Schlafmütze.