Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19./21. Juli 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg. 19. Juli 1950
Mein liebes Herz!
Heute ist Mittwoch, also wohl die höchste Zeit, den üblichen Sonntagsbrief zu schreiben! Die ewige Schwüle hatte sich schließlich doch lähmend sogar auf den Wunsch der Mitteilung mit Dir gelegt. Hattest Du mich doch auch an ein langes passives Warten gewöhnt. Ich hatte zwar ein williges Verständnis dafür, aber das hinderte doch nicht ein stilles schmerzliches Verlangen. Aber dann kam ja, trotz Deiner großen Müdigkeit, Dein lieber Brief, und tröstete mich umso mehr, als die Entwicklung Deiner nächsten Zukunft genau die geplante Form genommen hat, die ich mir ausmalte und für Dich wünschte. Nun ist es nur nötig, daß Du die Situation mit Nachdruck so gestaltest, daß unnötige Überlastung ausgeschaltet wird. Man wird sich ja wohl bewußt sein, daß Dein Entgegenkommen eine entsprechende Rücksichtnahme beanspruchen kann. Auch die Begrenzung der neu übernommenen
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| Verpflichtung ist ganz das, was ich mir als wünschenswert ausmalte.
Und wer hat gegenwärtig auch den Mut, Pläne auf weiter hinaus zu machen!
Da ist mir die nahe Aussicht auf den 2.VIII. entschieden greifbarer. Das nähere Programm zu entwerfen, ist ja wohl noch zu früh und wird auch vom Wetter abhängen. Und welche Bedingungen bestimmen die Dauer Deines Aufenthalts von "mindestens" 4 Stunden? Da wird doch der Fahrplan die Entscheidung haben! Es wird viel zu besprechen sein in der Zeit, und ich wünsche mir nur, daß ich befähigt sein möchte, auch in klare Worte zu fassen, was ich gern mit Dir verhandeln würde.

21.VII. Freitag mittags. Da kam vorgestern Fr. Buttmi und nachher war es zu spät. Und gestern war Donnerstag, an dem die Reinlichkeit der Wohnung an der Reihe ist, und außerdem gab es Beerenobst einzukochen. Mitten hinein kam unerwartet ein Verwandter von Nitsches, der
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| in Bayern daheim ist, hier übernachten wollte, und der zunächst mich bat, ihm Salbeitee zu kochen, den er wegen heftiger Zahnschmerzen gekauft hatte. Und später kam Matussek zum Abendbrot. So war der Tag hin.
Aber ich möchte doch, daß wenigstens ein Gruß noch vor Sonntag bei Dir ist. – Ein Besuch bei Frl. zur Nieden war hübsch am vorigen Dienstag. Sie hatte mir das Buch der Nora Waln über China geliehen, das sehr anschauliche Bilder der alten Tradition und der Wirren von Krieg und Revolution gibt. Es wird einem manches dadurch klar auch für die Gegenwart. – Am Mittwoch war ich zum Essen bei Hedwig Mathy, die in Frankfurt und Gießen gewesen war. Im übrigen genieße ich es, daß die Zeichnerei mal wieder ein Ende hatte, und freute mich, daß die Arbeit offenbar den Intensionen entspricht. Ich schicke Dir einen Abzug, der trotz der starken Verkleinerung recht klar geworden ist. Zu dem beabsichtigten Vortrag wird es mit dem Dia
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|positiv an die Wand geworfen.– Das andre Stück Papier soll Dir eine Vorstellung von der Technik geben, die ich ja eigentlich frei erfinden mußte, und die durch das Material allerlei überraschende Schwierigkeiten bot.
Heute ist wieder ein wolkenloser Himmel, das ist aber schön, wenn nicht wieder ein Gewitter aufzieht. Die Wärme als solche ist mir wohltuend, wie es mir überhaupt gesundheitlich gut geht. Nur bin ich grenzenlos müde.
Drum will ich auch diesen Brief gleich mit nehmen, da ich in die Stadt fahren muß, und darauf hoffen, daß ich bald mal eine belebtere Stunde habe, um etwas inhaltreicher zu schreiben. Auf die angesagten Besuche von K. Silber und Bertha v. A. freue ich mich, wie ich nun mal geneigter zur angenehmen als zur nützlichen Tätigkeit bin.
Und Du bist nun gerade im Hochdruck des Semesterendes und dazu wünsche ich Dir recht erfreuliches Echo, das Deine Kräfte erfrischt.
Mit den herzlichsten Grüßen, immer
Deine Käthe.

[li. Rand] Die Lehrerzeitschrift folgt gesondert.