Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. August 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg. 12. August 1950
Mein liebes Herz,
Hoffentlich erreicht Dich dieser Gruß noch vor der Abreise, denn ich möchte Dir doch sagen, mit welch guten Wünschen ich an Euer gewagtes Unternehmen denke. Es ist doch dringend notwendig, daß Du für eine kurze Zeit wirkliche Ruhe nach eignem Geschmack findest.
Hier ist nach wie vor gutes Wetter, mal kühl, mal schwül. Heidelberg steht auf dem Kopf; gestern war der Abschied vom General Huebner; Menschenmengen säumten die Straßen wie – s. Z! – Und von der Kaserne an der Markscheide war die Fahrbahn [über der zeile] auf beiden Seiten alle 10 m [über der Zeile] bis zum Hauptbahnhof mit einem Soldaten in Felduniform besetzt. Ich fuhr mit der Elektrischen sehr stolz durch diese Garde! – – Und heute sind die Turner da, alles voll riesiger Fahnen und ein Gewimmel, wo nur all das Volk herkommt und unterkommt!? Dazu heute große Schloßbeleuchtung.
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| Ich hatte unabhängig davon einen Spaziergang mit Frau Buttmi verabredet. In Anbetracht der Überfüllung verzichteten wir auf die Bergbahn, die ich sonst sehr bevorzuge, und wendeten uns mal wieder nach Handschuhsheim zum "Sonnenbad". Dort hat man einen wunderhübschen Blick in die Rheinebene, die heut in einem geheimnisvollen Dunst verschleiert dalag, und wir waren fast die einzigen Gäste; die sehr freundliche und gute Bedienung ließ mich wünschen, einmal mit Dir dort einkehren zu können. Allerdings war auch dort der Weg von dem Wolkenbrüchen der letzten Zeit steinig wie ein Bachbett. – Und morgen kommt nun Frl. Silber. Hoffentlich gefällt es ihr.
Und von Dir hoffe ich das auch recht bald aus Lenzkirch zu hören, damit ich doch weiß, wo Dich meine Gedanken suchen sollen. Glück auf zur Fahrt ins Blaue und herzliche Grüße auch an Susanne!
Deine
Käthe.