Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. August 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28.8.1950
Damit ich Dir zum 31. einen Gruß schicken kann, benutze ich die Wartezeit im ärztlichen Vorzimmer von Frl. Dr. Clauß zum Schreiben. Ich bin aber nicht krank, ich habe nur eine Entzündung an der linken Hand infolge einer leichten Verbrennung. Das wollte von selbst nicht heil werden und da hielt ich es für ratsam, es "besprechen" zu lassen. Der Märker nennt das "büten", das habe ich als Kind gehört. Das ist nämlich unbedingt wirksam!! Also, es hat auch diesmal geholfen (in Verbindung mit einem Apothekermittel!)
Im Übrigen habe ich also Besuch von Bertha van Anrooy, und am Tag vor ihrer Ankunft meldete sich ein Dr. Beck von der Nervenklinik, der eine Zeichnung braucht. Ich habe damit keine Eile, denn beide Sachen gehen nicht auf einmal und es ist eine abscheuliche Schwüle.
Morgen wird Bertha zur Familie Heilmann Landfried übersiedeln, da habe ich meine Zeit wieder für mich.
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Wir haben nicht gerade viel unternommen, denn es war vielfach zu heiß, oder es drohte Regen. Aber einmal hatten wir einen sehr hübschen Weg durchs Dorf und auf den "roten Buckel", bei schöner Abendbeleuchtung; und gestern machten wir mein Lieblingsunternehmen nach Neckarsteinach und Abendessen in Kleingemünd. Alles hatte gut geklappt und es ging auf Sonntagskarte.
Mit großer Freude erhielt ich gestern Deinen lieben Brief mit dem Bericht all der gelungenen Unternehmungen. Das ist doch mal eine Erholungszeit, wie sie sein soll! Daß Dir die Entfernungen weiter als früher scheinen, liegt wohl nicht ausschließlich an geringerer Leistungskraft, sondern ich beobachte auch an mir, daß man nur die eindrucksvollen Stellen im Gedächtnis behält und die langweiligen Zwischenstücke schrumpfen zusammen.
Dieser einwandfreie schöne Sommer und die durch den Besuch gegebene Faulenzerei macht mich recht sehnsüchtig, mal wieder hier solch ein paar Tage mit Dir hier verleben zu können.
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abends zu Haus!
Im Garten von Frl. Dr. Claus hatte ich noch mit einem allerliebsten Jungen Ball gespielt, während seine Mutter war mir an die Reihe kam. Mit mir wurde Frl. Dr. dann schnell fertig, denn ihr Mittel hatte mir gut geholfen, und so kam ich gerade noch vor dem Ausbruch eines Gewitters in eine Elektrische und so gut wie trocken nach Haus. Eigentlich hatte ich mich mit Bertha fürs Abendbrot in der Stadt verabredet, wenn sie vom Königstuhl zurück käme, wo sie bei Mündler eingeladen war. Sie fand sich dann etwas eingeweicht auch hier an, und seitdem gewittert es ununterbrochen seit 4 Stunden. Anfangs spielte sich das Schauspiel in großer Höhe ab, sodaß es nur wenig Donner gab; aber es blitzte ohne Pause an allen Ecken und Enden. Jetzt zum Schluß ist es uns wieder ganz nahe, und es war gerade ein Donner, daß ich fast einen Klex gemacht hätte! Es würde ja aber die Schönheit dieses Schmierbriefes weiter nicht geschädigt haben. Nun hofft man, daß diese gründliche Entladung auch eine entsprechende Erfrischung
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| bringen wird. Ich hoffe ja, daß in Eurer kräftigen Schwarzwaldluft solche Auffrischungen nicht nötig sein werden. Leider nimmt die Herrlichkeit ja nun schon in wenigen Tage ein Ende.
Vielleicht seid Ihr garnicht mehr dort, wenn diese Elaborat hinkommt, denn es regnet so, daß ich es jetzt nicht mehr zur Post bringen kann, und es ist auch schon spät. Doch du weißt ja, daß ich unabhängig von Worten und Zeichen mit meinen Gedanken bei Dir sein werde, mit Dir wie damals am Weißen Stein, und weiter so im Wandern Jahr um Jahr. Immer bewußter formt sich mir im Erinnern diese wunderbare Gemeinsamkeit zur heiligen Bestimmung, die mir Kraft gibt und mich immun macht gegen all die drohenden Nöte der Gegenwart. Möchte es doch auch für Dich immer solch lebendiger Quell bleiben!
Deine
Käthe.

[] Und noch viele Grüße, auch an Susanne!