Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18. Oktober 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg. 18. Okt. 1950
Mein lieber Einziger!
Wie sehr erschreckt mich eben der Besuch von Frau Buttmi, die Du um Nachricht über mich befragtest. Ich habe so ruhig und freudig an Dich gedacht während Deiner Reise in die Schweiz und hatte durch Deine lieben Karten so lebhaft daran teilnehmen können. Dann wußte ich, daß Dich zu Haus ein Brief von mir empfangen würde und war der Meinung, es würde Dich freuen, daß ich mich auch ohne nähere Auskunft so ganz in Deine Situation bei der Rückfahrt von Marburg versetzen konnte.
Aber über Dein Befinden auf der Schweizer Reise habe ich mich gründlich getäuscht, und Dein lieber Brief vom 13.
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| sagte mir zu meiner Betrübnis, daß der üble Katarrh Dir recht zu schaffen machte. So war also mein beruhigtes Denken recht verfehlt. – Am Sonntag den 15. habe ich einen langen Brief geschrieben, der doch eigentlich am 17. hätte bei Dir sein müssen, und so war ich mir keines Versäumnis bewußt. Nun macht es mich sehr unruhig, daß Du schon früher auf Nachricht gewartet hast. Und ich bitte Dich noch einmal recht herzlich, mache Dir doch keine Sorgen um mich, ohne tatsächlichen Grund. Es könnte umgekehrt [über der Zeile] mich ernstlich bekümmern, daß Du offenbar recht nervös herabgestimmt und erregt bist. Ich wollte, ich könnte Dir von der Pomade abgeben, die bei mir erschreckend zunimmt.
Jetzt aber bin ich auch in Unruhe, da statt der erwarteten Kunde über Deine Pläne für die Rückreise von Saarbrücken diese Karte an Frau Buttmi kam. – Solltest Du in meinem Verhalten ein Nachlässigkeit sehen, so wäre mir das furchtbar leid. Ich hatte gedacht, am 6. hattest Du einen Brief, da wäre die Pause bis zum 15. nicht zu groß. Und ich bildete mir ja ein, <li. Rand> die Reise wäre ein Ausspann und Freude gewesen! Wann werde <Kopf> ich Dich sehen? Sei in Liebe gegrüßt von
Deiner Käthe.