Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Dezember 1950 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22.XII.50.
Mein liebes Herz!
Dies sollte eigentlich der Weihnachtsbrief werden und nun funkst Du mir mit Deinen lieben Zeilen und dem Vorschlag des Zusammentreffens dazwischen. Bei Deiner gewohnten Pünktlichkeit sah ich dem Brief gleich an, daß ich ihn vorher öffnen müsse, was ich eigentlich nicht gern tun wollte, weil Dein Brief ja doch mein eigentliches "Weihnachten" ist. Nun habe ich ihn also gelesen bis dahin, wo Du in den "Weihnachtston" übergehen willst, und bewahre mir das für die Weihnachtsstunde, die ich wie immer in besinnlicher Stille allein zu verleben hoffe.
Also Du schlägst für den 1. Jan. Mühlacker vor, und mir ists natürlich recht, wenn Du es für geeignet hältst. Mir wills allerdings scheinen, als ob da allerhand mildernde Umstände
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| eintreten müßten, um das Unternehmen ersprießlich werden zu lassen, denn was ist überhaupt in Mühlacker? Aber vielleicht hat es ein behagliches, ruhiges Lokal, wo man bei ungünstigem Wetter Zuflucht findet. Die Anstrengung wird nicht groß sein, die fürchte ich nicht, denn ich bin durchaus gesund. Auch machte es mir garnichts, auch länger in der Bahn zu sitzen, wenn man dadurch die Sache für Dich bequemer machen könnte. Ich finde von morgens 7.56 bis abends 10.46, also 15 Stunden unterwegs zu sein für 6¼ Stunde Aufenthalt ist eine arge Zumutung für Dich. – Ich werde mich aber auf der Bahn nach den Fahrkarten und Zügen erkundigen, vor allem wegen Bietigheim. In den Feiertagen gibt es sicher Sonntagskarten überall. Morgen komme ich allerdings nicht dazu, denn da ist die Zeit sehr besetzt, vormittags die Bedienung da, und nachmittags Kirchenbesuch zur Hochzeit der Maria Buttmi, bei der ich auch abends für ½ Stunde zugegen sein soll.
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| Sehr lieb war es mir, zu erfahren, daß es Frau Honig etwas besser geht. Aber natürlich sorge ich mich mit Dir wegen der künftigen Reise von Susanne. Möge auch das eine gute Wendung nehmen. Wenigstens ist jetzt für das Fest der Lichter und der Liebe etwas Beruhigung eingetreten, die Susanne wohltuend sein wird.
Zu schenken habe ich leider garnichts; ich hatte mir vorgenommen Susanne einen Brief zu schreiben, denn sie spricht den Wunsch danach aus, und ich tue es gern. Ich habe leider noch keine Zeit gefunden, denn es sind so viel kleine Pflichten, die erledigt werden müssen.
Dann war auch die "Handarbeit" für Dich recht zeitraubend, denn ich bin so ganz aus dem Zusammenhang der Arbeit; die Hand ist ungelenk und das Material nicht gepflegt. Möchte doch trotzdem das Resultat, das gestern abging, Dir sagen, was für liebende und sorgende Gedanken hinein geflossen sind. Möchtet Ihr doch auch am 24. gegen Abend Euch eine besinnliche Stunde
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| gönnen, wie sie uns zeitlos über die Welt erheben. Da werde ich in Gedanken dabei sein.
Vorgestern schon kam ein großes, schweres Päckchen mit Susannes Handschrift an, und gestern ebenso eine Drucksache. Frl. Held gab mir gestern ein Weihnachtspäckchen, offenbar ein Inselbüchlein, und Käte Silber schickte – ein Paar Handschuhe, (sehr erwünscht, denn die ich mir strickte, sind nicht fertig geworden.)x [li. Rand] x auch ein Brief von Hannelore Kunkel kam. – Am 2. Feiertag bin ich bei Frau Franz-Mathy eingeladen und irgendwann auch mal zum Kaffee bei Heinrichs. So erweisen mir die Menschen viel Liebes und ich bin immer nur die Beschenkte. – Von Paul M. hatte ich einen sehr netten Brief, auch ohne Namensnennung; die Braut ist eine geschiedene Frau, ist [über der Zeile] sie heißt Marbach!, wie mir der Bruder sagt.
Doch es ist Zeit, den Brief fortzubringen, damit er morgen früh befördert wird und wenigstens am 24. bei Dir ist. Ich hoffe bald wieder und mit mehr Ruhe zu schreiben und freue mich dann aufs Wiedersehen! Sei gegrüßt in treuer Liebe.
Deine
Käthe.