Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. Januar 1951 (Tübingen, Postkarte)


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10.I.51.
M. L!  Es hat mich gefreut, zu hören, daß Du – abgesehen von der kleinen Verspätung – gut nach Hause gekommen bist. Meine Personenzugfahrt mit 36 Stationen war etwas langweilig. In Stuttgart hatte ich Zeit, eine Wurscht zu essen. 3 Minuten nach 23 Uhr war ich zu Hause – etwas müde vom langen Tag. Aber wenn ein Unternehmen so gut geglückt ist, spielt das keine Rolle. Gestern haben die Vorlesungen wieder begonnen. Dein Kalender hat sich schon weit hinaus mit allerhand Engagements gefüllt.
Die Bernadette werde ich wohl auch einmal lesen müssen. Fragt sich nur, wann? Selbst an den Abenden muß ich doch immer noch Berufliches Lesen. Sonst komme ich mit dem sehr anspruchsvollen Kolleg
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| nicht zustande. Und für das Seminar muß ich zu jeder Stunde ein ziemlich dickes Buch zum 2. Male lesen, um es ganz zu beherrschen.
Heute Abend ist, was ich Kaiserkommers nenne, d. h. Herrengesellschaft im "Kaiser." Der Orthopäde Kreuz redet. Vielleicht kann er Europa wieder einrenken. Die ganze Belegschaft grüßt herzlich mit Deinem dankbaren
Eduard.