Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Februar 1951 (Tübingen)


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Tübingen, den 23.II.51.
Meine einzige Freundin!
Des Sonntags wegen muß ich es so einrichten, daß mein Geburtstagsgruß schon morgen eintrifft. Ein Geschenk gibt es wegen der schlechten Wirtschaftslage nicht. Vielmehr: es wird erst folgen in der Gestalt eines kurzen Frühlingsbesuches in Heidelberg Anfang April, im Anschluß an meine Vortrags- und Familienreise: Neustadt, Weilburg, Kronberg, Wiesbaden. Und meine Wünsche für Dich kann ich auch nicht in neue Worte kleiden, sondern immer wieder nur in die gleichen Versicherungen meiner Liebe und tiefen Dankbarkeit.
Hier ist jetzt wegen des Semesterschlusses eine ziemlich arbeitsreiche Zeit. Prüfungen und Sitzungen häufen sich. Am (hier gottlob unbekannten)
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| Geburtstag von Susanne hatten wir den zweiten Schub des Seminars zum Kaffee und Wein bei uns. Sie selbst war am Tage vorher in Alpirsbach gewesen, wo es auch nicht besonders gut aussieht. (Praxis eines alten Arztes fast = Null.)
Am Mittwoch habe ich in einem Zuge die zweite Korrektur des neuen Buches = 124 Seiten gelesen. Hoffentlich kommt es noch vor Ostern heraus.
Ich habe heute noch einen Seminarabend und in der nächsten Woche noch 2 Vorlesungsstunden; aber endlose Senatssitzungen stehen bevor. Am 1. März beginnt die Periode der philosophischen Vorprüfungen (an diesem Tage kommt übrigens Wolfgang Franke dienstlich hinterher.) Am 6. März ist noch ein Vortrag in Calw, am 14. März in der "Kaiser"-Gesellschaft. Im ganzen wird wieder von Ferien kaum die Rede sein.
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Heute reist Konrad Honig nach Kronberg. Es ist jetzt so viel Material gegen den Vormund Brunhilde Bethmann gesammelt, daß ein Vorstoß gegen sie beim Vormundschaftsgericht nicht aussichtslos ist.
Es gibt hier mancherlei, was noch verdrießlich stimmt. Das dritte Rektorjahr von Erbe ist garnicht nach meinem Geschmack. (Wir haben jetzt den langen Thielicke gewählt.) Immer wieder möchte ich ausrufen: "Schwäbisches, allzu Schwäbisches."!
Gestern war der angenehme Physiker Buchwald aus Jena bei uns, wodurch[über der Zeile] bei die Lage der Goethe-Gesellschaft besprochen wurde. Im Osten radikalisiert sich alles. Bei Buchwald studiert mein nie gesehener Patensohn Peter Schnabel (dessen Vater aus der Gefangenschaft in Asserbeidschan wieder da ist.). Er bewährt sich ebenso wie jetzt Wolfgang Herchenbach bei Kossel.
Ich komme garnicht dazu, irgend
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| etwas Außerberufliches zu lesen; nicht einmal die Zeitung kann ich verfolgen. Infolgedessen ist auch dieser Brief recht inhaltsleer. Es kommt auch mal wieder besser. Ich muß mich noch sehr für heute Abend vorbereiten. Habe also gütige Nachsicht und lies zwischen den Zeilen, wo sehr viel Herzliches steht.
Die ganze Belegschaft gratuliert mit mir. Ich wünsche Dir einen gesunden Festtag mit einer kleinen, nicht anstrengenden Feier, an der niemand so innerlich und intensiv Anteil nehmen wird wie
Dein getreuester
Eduard.