Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. März 1951 (Tübingen)


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Tübingen, den 22. März 1951.
Meine einzige Freundin!
Meinen Ostergruß möchte ich mit einem Rezept gegen den Abendschnupfen beginnen: Cebiontabletten. Ich habe in diesem Winter zweimal je einen Monat lang täglich 3 von diesen Miniaturplätzchen genommen, und es hat entschieden die Schleimhäute günstig beeinflußt.
Wer hat den Günther nach Heidelberg eingeladen? Eine amerikanische Stelle? Oder ist das Amerikahaus einfach eine Vortragsstätte? Er gibt in Erlangen immer noch keine Ruhe.
Mit meinen Tagesberichten war ich, glaube ich, bis Calw gekommen. Am Samstag drauf traf ich mich mit meinem Promotus, dem Landschulmeister Dr. Neukamm in Horb. Wir gingen auf den Schütteturm, wo auch Du und ich einmal in sengender Glut waren. Jetzt ist es dort oben ziemlich bewaldet. Der Vortrag für den "Kaiser" hat mir nicht wenig Arbeit gemacht. Er war ungewöhnlich gut besucht (27, darunter General Speidel) und hat ersichtlich interessiert. Solche Gelegenheits
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|sachen nehmen natürlich viel Zeit fort. Am 2. Tage danach war nach 6 Monaten Pause wieder einmal mein Privatzirkel für Philosophie beisammen – nur noch ein Dutzend. Am Samstag 12.30 fuhren wir – ich mit dem neuen Sommerregenmantel – nach Gönningen (per Omnibus ¾ Stunde); Anstieg zum Roßberg 1¼ Stunde; oben Kaffee. Herunter auf Irrwegen mit schöner Aussicht nach Oeschingen, von Mössingen mit der Bahn zurück. Zu Hause um 18 ½.
Sonntag waren 2 Chinesen (der Missionsprofessor Rosenkranz und Dozent Bünger), außerdem Herr v. Harnack zum Kaffee bei uns. Montag der Bildhauer Halbritter mit s. dänischen Schwiegervater, der kein Deutsch, aber anscheinend auch kein Dänisch konnte. Dienstag Herr Schmeil, den ich wegen des Erscheinens der "Pädagogischen Perspektiven" bedrängt habe.
Außerdem bin ich dreimal beim Arzt gewesen wegen eines kleinen Furunkels in der linken Achselhöhle, den ich doch unter Aufsicht stellen wollte. Er ist beinahe fort. Wider Erwarten funktionierte die Aufnahme einer Radiosache von ¼ Stunden hier (aber für Salzburg bestimmt) schon für heute. Ich wurde mit dem Ms. knapp fertig, da gestern vorm. Großer Senat war und wir nachm. Zum Kaffee bei Krügers waren. Ich habe dann von 20–22½ die 9 Seiten Text schnell hingeschrieben.
Das Verfahren wegen Sabines Töchterchen
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| läuft jetzt beim Vormundschaftsgericht. Was Jenny betrifft, so ist wieder ein anderes Bild da. Sie glaubt, in einem dicht neben dem Krankenhause befindlichen Altersheim Daueraufnahme finden zu können, und die beiden Schwestern stimmen – bis auf weiteres – dem Plan zu.
Die Verabredungen für die Vortragsreihe ab 31.III sind so ziemlich getroffen. Der Zug StuttgartNeustadt geht leider nicht über Heidelberg. Ich hoffe aber, am 7. abends dort zu sein. Könntest Du mir ein Zimmer bei Denner für 2 Nächte bestellen? Schmeil möchte ich nicht wieder bitten. Er nötigt mich doch zur Reichspost. Aber das Restaurant da ist mir nicht gemütlich, d. h. zu nobel und zu teuer. Die Vorbestellung müßte ziemlich früh erfolgen, weil es sich gerade um ein Wochenende handelt. Ich werde aber noch einmal darüber schreiben.
Ob ich in Kronberg mit der angesetzten Zeit auskomme, ist nicht absolut sicher. Ich verlängere nur, wenn eine geschäftliche Notwendigkeit vorliegt, würde Dir aber nichts an Zeit abziehen und das Hôtelzimmer dann auch bezahlen, wenn ich es die erste Nacht nicht benutzen kann.
Reichst Du finanziell noch bis 8.IV?
Was wirst Du zu Ostern unternehmen? Das Wetter soll besser werden. Aber mache bitte keine anstrengende Tour, lieber einen Kaffeebesuch.
Ich muß viel "kleinen Dreck" aufarbeiten, mich auf 4 Vorträge einstellen. Am 1. Feiertag nachm. sind wir bei Wenkes. Für den 2. " <gemeint als Unterführungszeichen für Feiertag>
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| sind Dr. Amanns längst eingeladen, haben aber noch nicht zugesagt. Am 3. Feiertag ist Vortrag in Stuttgart 19.30 "Der unbekannte Gott." Vorher will ich die alte Regierungsrätin Dr. Vollmer besuchen.
Das wären wohl die wichtigsten Nachrichten. Ich bitte Dich sehr, zum 8.IV. für gutes Wetter zu sorgen, so daß man ev. schon ein wenig draußen sitzen kann.
Nun die herzlichsten Festwünsche von Susanne, Ida und mir. Sorge für Deine Ruhe und Deine Gesundheit!
In Liebe und Treue
Dein
Eduard.