Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 20. April 1951 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

20.IV.51.
Meine einzige Freundin!
Deinen lieben Brief habe ich gestern in Überl. noch erhalten. Ich finde es nicht gut, daß Du 5 Stunden zeichnest. Wenn die Herren Deine Leistung haben wollen, müssen Sie auch Dich medizinisch sinnvoll behandeln. Man kann nicht aus einer Sitzung alles herauspressen. Der Patient wird ja auch am nächsten Tage noch kommen.
Wie Du siehst, sind wir – seit heute um 13 – wieder hier. Die kurze Bodenseereise war ziemlich stimmungslos. Es lag nicht eigentlich am Wetter; denn ich habe meinen Schirm nicht aufzuspannen brauchen und es war an den meisten Tagen so warm, daß wir gut im Freien sitzen konnten. Also lag es an meinem Befinden. Das war aber objektiv auch nicht zu tadeln. Ich habe nur morgens gemessen – da waren es immer so um 36,5; hier heute auch mal nachm; da waren es 36,7. Aber es sind Kopfschmerzen da (im Hinterkopf, neuralgisch), und es ist
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| mir nachm. meistens "mieß", bei gutem Appetit und bester Verdauung.
Am Dienstag gingen wir bei Föhnstimmung, die auch Susanne fast unfähig machte, bis Maurach je 1¼ Stunde hin und zurück. Ich konnte zuletzt nur schleichen. Mittwoch 14.40 fuhren wir mit Dampfer nach Dingelsdorf, gingen bis Wollhausen, dort ¼ Wein. Um 17.05 zurück. Donnerstag mit den gleichen Dampfern, aber nur bis Unter-Uhldingen. Von dort ½ Stunde in Richtung Meersburg und zurück. Das waren alles keine Unternehmungen, aber sie wurden mir schon schwer. (Herz ist auch nicht schuld.)
Diese Nacht war herrlich klarer Mondschein über dem See, am Morgen um 6 ebenso klare Sonne. Als wir 7.35 abfuhren, war schon Gewölk im Anzuge. Der Tag war dann wieder kalt und diesig. Um 17 Uhr das Colloquium im ungeheizten Raum, was ich eben nicht vertrage. Um 19 Uhr saß wieder eine Durchreisende im Vorzimmer. Das ist auch für den Gesunden etwas viel, wenn er morgens um 6 aufgestanden ist.
Ich werde mich 3 Tage noch ganz schonen u. <li. Rand> vor allem die ungewohnten Kopfschmerzen bekämpfen. Es ist wohl halb noch Gripperest, halb Rückschlag gegen eine sehr anstrengende Arbeitszeit ohne <re. Rand> entsprechenden Stimmungserfolg. Denn wir sind hier doch in toto sehr heruntergekommen. Innigste Grüße Dein Eduard.