Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. August 1951 (Freudenstadt)


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Freudenstadt, den 21.8.51.
Meine einzige Freundin!
"Herrn Prof. Spranger, Freudenstadt/bad. Schwarzwald." – na, da muß ich denn doch sagen!
Der heute erhaltene liebe Brief enthielt eine vorsichtigere – aber auch bessere? Aufschrift. Herzlichen Dank für ausführliche Nachrichten!
Es gießt heute in Strömen, so recht freudenstädtisch. Ich will nicht sagen, daß das ein Symbol des ganzen Aufenthaltes sei; denn wir haben viel Schönes unternehmen können. Aber es ist auch recht Unerfreuliches dabei, was ich zuerst berühren will; dann ist die Bahn frei für die Erzählung vom Ferienleben.
Harmlos ist, weil gewohnt, daß hier bis heute 80 Postsachen eingegangen sind, wobei die Drucksachen noch sämtlich in Tübingen liegen geblieben sind. Insbesondere war ein ständiges telephonisch-telegraphisch-briefliches Hin und Her zwischen Wachsmuth und mir. Seit gestern steht nun fest, daß der Bruch mit den Oststellen da ist. Die Hauptversammlung in Weimar zu der sich 700 Teilnehmer [unter Zeile] !! angesagt hatten, ist
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| 8 Tage vorher (zum 2. Male, cf. 1950) abgesagt worden. Das ist natürlich nur der Anfang zu einer schweren Campagne, die daraus mit Notwendigkeit folgt.
Sodann: in Alpirsbach klappt es garnicht. Es ist ständiger Unfriede zwischen den Schwestern. Susanne bemüht sich, den Zustand zu bessern, und ist jeden 3. Tag da. Aber ich sehe da ziemlich schwarz. Das ist doch nicht nur Charaktermangel bei Jenny, sondern offenbar pathologisch, und so rückt der Name Jenny in meiner Familie in dieselbe Kategorie wie s. Z. in Deiner. – Susanne nimmt sich das sehr zu Herzen, ohne viel davon zu reden. Sie sah sehr schlecht aus, als sie herkam, und all diese Sorgen sind wohl mitschuld daran, daß sie in diesem Jahre so gut wie weiß geworden ist. Auch für mich ist der Unfriede nicht gerade wohltuend, obwohl ich so wenig wie möglich hineingezogen werde.
Wo war ich mit den Berichten stehen geblieben? Ich glaube am Sonntag, 12.8., wo wir von Loßburg nach Alpirsbach gingen – bisher mein einziger Besuch im Hause Heß.
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Einmal waren wir auf dem Kniebis, gingen in Richtung Zuflucht, aber nur so weit, daß man ins Tal von Griesbach und Peterstal hinabsehen konnte; dann langsam auf dem Waldwege nach F. zurück. Wetter gut, oben sehr kalt.
Am Freitag hatten wir uns mit Eggerts aus Berlin in Besenfeld verabredet. Wir fuhren mit dem Zuge ins Murgtal hinunter bis Huzenbach, 3. Station hinter Baiersbronn. Von da mußten wir aber die ganzen ca 350 m wieder hinauf. Wir fanden den richtigen Weg nicht gleich. Infolge der Termingebundenheit habe ich mich bei dieser Sache etwas überanstrengt. Nach ca 4 Stunden Zusammensein kehrten wir auf dem gleichen Wege zurück.
General Speidel samt ganzer Familie trafen wir bei unsrem Besuch nicht an.
Der hübscheste Tag war vorgestern (Sonntag.) Wir trafen uns mit Oelrich um 10 am Bhf. Schiltach, gingen den recht sonnigen Fußweg in Richtung auf Wolfach, zunächst nur bis Halbmeil, wo fröhliches Musikfest war; nach kurzer Pause etwas keuchend den Rest. Dem (heruntergekommenen) "Ochsen" mit der Terrasse über dem Wasser
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| konnten wir wieder entrinnen, aßen dann im Hôtel zum Salmen, wo wir z. Z. 5 Tage gewohnt haben und der jetzt ein großes Haus geworden ist. Nachher saßen wir lange auf schattiger Bank (wie wir) am Zusammenfluß von Kinzig und Wolfach. Brücke über die letztere ist noch zerstört. Wir sahen vor uns das Wasser – aber es war nicht tief!! Rückfahrt nach Schiltach per Bahn, wo wir uns von Oelrich trennten. In Alpirsbach noch für 5/4 Stunden Zug überschlagen, damit Susanne wieder "hingehen" konnte.
Die alte Frau Grüninger hat mich wiedererkannt. Aber nach 35 Jahren hat sie natürlich keine näheren Erinnerungen mehr. Sohn (stark schwerhörig) und Schwiegertochter, besonders die letztere, machen sehr sympathischen Eindruck.
Am 24.8. abends wollen wir wieder zu Hause sein. Es wartet unerhört viel Arbeit auf mich, Anfang September wohl auch Vorstandssitzung (Stumpf) der G.G. in Gegend Frankfurt.
Nun müssen wir, wie Du und ich so oft, zum Mittagessen nach der "Linde" schwimmen.
Ich möchte nur noch sagen, daß ich mich Deiner Verdienste um die Belebung der kleinen Held dankbar freue, und mich über alles Gute, was Du berichten kannst, übhpt freue. Bleibe in guter Verfassung und halte dem Unguten stand, wie ich es auch versuche. Susanne grüßt herzlichst.
<li. Rand>
Stets Dein getreuer Eduard.

[] Der krummbeinige Neptun hat alle Zerstörungen heil überstanden.
[re. Rand] Wolfach mit seinen Tälern in den heiteren Farben hat mich wieder unbeschreiblich entzückt.