Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 12. Oktober 1951 (Tübingen)


[1]
|
[1]
|
<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN,
RÜMELINSTR. 12>

12.10.51.
Meine einzige Freundin!
Auch heute hat die Post nichts von Dir gebracht. Ich beginne, unruhig zu werden. Seit dem am 28. September abgesandten Brief habe ich nichts von Dir gehört. Hoffentlich bist Du gesund, und nur faul. Dann habe ich nichts dagegen. Aber eine Interimspostkarte solltest Du mir schreiben. Ich kann sonst mein tägliches Werk nicht tun.
Dies ist mühsam genug. Es müssen sorgfältige, aber höchst umfangreiche, knochentrockene Dissertationen gelesen werden. Ein großer Aufsatz: "Die Einheit der Wissenschaft. Ein Problem" ist so gut wie vollendet. Die Korrespondenz im Anschluß an Bonn dauert immer noch fort. – Ein Sohn Conrad aus dem Weißen Hause war hier (ganz nett.)
Heute Nachm. habe ich hier einen Vortrag: "Der unbekannte Gott" zu halten. Morgen Vorm. Diskussion darüber; morgen Nachm. anderen Vortrag anhören. Sonntag um 11 in Stuttgart in dem (überflüssigen)
[2]
| "Weltbund [über Welt] ?! [unter Welt] ~ für Erneuerung der Erziehung" unter dem Titel: "Der Lehrer als Erzieher zur Freiheit." Hinterher ist Besuch bei der liebenswürdigen Frau Hangleiter geplant.
Die Gingkos beginnen, ihre Blätter zu verlieren. In unsren Jahren ist der Eintritt in den Winter immer eine trübe Schwelle. Du mußt mir versprechen, alles zur Erleichterung zu tun und nicht an der verkehrten Stelle zu sparen. Laß Dir die Kohleneimer rauftragen und gib dafür einem hilfreichen Mann aus der Nachbarschaft so viel, daß er immer zur Verfügung steht. Wir heizen natürlich auch schon ein Zimmer.
Bonner Rede wird als Beilage zu der neuen Wochenschrift "Das Parlament" in 120000 Exemplaren verbreitet.
Ich hoffe ungeduldig, bald Nachricht von Dir zu erhalten. Sei von uns allen herzlich gegrüßt, am innigsten von
Deinem
Eduard.