Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. Oktober 1951 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN,
RÜMELINSTR. 12>

19.10.51.
Meine einzige Freundin!
Gestern um 21½ hatten wir hier einen sehr unangenehmen heftigen Erdstoß. Das Licht in der ganzen Stadt ging aus, kam aber nach einer halben Stunde wieder. Es war, trotz Japan, das heftigste Erdbeben, das ich erlebt habe.
Es ist nicht meine Absicht, Deinen lieben, mit Ungeduld erwarteten Brief vom 12. Oktober hier zu beantworten. Ich möchte nur fragen, ob Du mir ohne Anstrengung für Samstag 27.X. (1 Nacht) ein Zimmer in der Pension, deren Namen ich vergessen habe, oder bei Denner ein Zimmer bestellen kannst. Glückt es nicht, so mache ich Quelle und Meyer mobil. Ich plane – unter den bekannten Vorbehalten von force majeure etc. – um 15.35 einzutreffen und bis Sonntag 13.32 zu bleiben. (Weiterfahrt nach Bonn.) Allerdings muß ich in dieser Zeit auch kurz zu Quelle und Meyer.
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Meine beiden Vorträge haben starken Anklang gefunden; besonders in Stuttgart war ich sehr gut disponiert. Wir haben dann auf dem Killesberg in einem hübschen Restaurant Mittag gegessen und haben hinterher Frau Hangleiter besucht. Am Dienstag haben wir einen Herbstausflug nach Rübgarten gemacht (nahe bei dem Altenburg, von dem "wir" nach Kirchentellinsfurt gerannt sind.) Solche Gelegenheiten muß man jetzt noch wahrnehmen. Am 3.XI. fängt der Betrieb wieder an. Dann ist es damit nichts mehr.
Alles Weitere überlasse ich unsrer Begegnung. Ich hoffe, Dich bei guter Gesundheit zu treffen und werde alles streng inspizieren, auch das Füßeheben beim Gehen etc.
Die Belegschaft grüßt herzlich. Ich freue mich auf das kurze Wiedersehn.
Innigst Dein
Eduard.

[] Bonner Rede wir mit der Wochenschrift "Das Parlament" in 120000 Exemplaren verbreitet u. erscheint außerdem noch im hiesigen Staatsanzeiger.