Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. November 1951 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN,
RÜMELINSTR. 12>

22.XI.51.
Meine einzige Freundin!
Dieses Blatt kommt nur, um Dir ein Lebenszeichen von mir zu geben. Denn ich möchte die üblichen Abstände des Mitteilens nicht überschreiten. Aber Du mußt Nachsicht haben, wenn ich heute auf Deine lieben Briefe, die mich so sehr erfreut haben, nicht eigentlich antworten kann. Ich bin mit meinen Arbeiten (größtenteils ist es nur ein "Abarbeiten" von Verpflichtungen) etwas ins Gedränge geraten, d. h. ich habe zeitlich nicht vorsichtig genug disponiert. Nun steht übermorgen (24.XI.) der Freudenstädter Vortrag "Der unbekannte Gott" vor der Tür. Ich wollte ihn noch etwas umarbeiten; aber dafür ist es recht spät geworden.
Außerdem bin ich in der Phase, die immer einmal kommt, wo kleine Beschwerden bald da, bald da auftreten, vermutlich, weil der Gesamtorganismus nicht gut gestimmt ist. Hömorrhoidales, übrigens nur äußerlich, will nicht weichen. Zwei Löffel einwandfreien Spinates, den ich sehr gern esse, rumoren in mir herum, obwohl die Verdauung sonst einwandfrei ist. Das ist eben eine Idiosynkrasie.
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Die Operation von Frl. Besser ist Gottlob gut gegangen, und der Fall soll sich als harmlos erwiesen haben (bloß Blinddarm.) Hoffentlich ist auch in Alpirsbach die Schwelle des 21. November gut überwunden worden. Am letzten Sonntag war der Stiefsohn Konrad mit seiner Frau dort. Das wird etwas abgelenkt haben. Wir wollen am Sonntag noch in Freudenstadt bleiben (es wird ja wohl Schnee fallen); dann fährt Susanne nach Alpirsbach, während ich am Sonntag Abend in Tübingen sein muß. Am vorigen Samstag waren wir kurz in Bad Niedernau, aber wir mußten uns in unglaublichem Terrain fortquälen; das ist nach längeren Regengüssen hier immer so.
Die Vorlesung ist bisher gut gegangen, bei sehr starkem Besuch. Das will aber natürlich auch jeden Tag mühsam erkämpft werden.
Wir haben hier den Berliner Bürgermeister Reuter reden hören. Dazu wäre viel zu sagen. Aber es geht eben heute nicht. Sei also geduldig und unterstütze mich dadurch, daß Du immer hübsch gesund bist! Denn das brauche ich zur täglichen Existenz.
Alle grüßen. Ich bin stets Dein Deiner innig gedenkender
Eduard.

[li. Rand] Simon Schwarz in Heidelberg, den Du 1928 in Dahlem gesehen hast, hat seine Goldene Hochzeit gefeiert.