Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. Januar 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7.I.1951.
Mein liebes Herz!
Wenn ich nur wüßte, ob Du wohlbehalten, und ohne Schaden durch die lange Wanderung durch den nassen Schnee nach Haus gekommen bist!? Es war doch alles so schön und ich spann in Gedanken an alledem weiter, was wir gesprochen hatten. Der Himmel war unsrer Zusammenkunft so gnädig und schenkte Sonnenschein und wundersames Farbenspiel. Heute zeigt er, daß er auch anders kann! – Bis zuletzt hatte ich vom abfahrenden Zuge die dunkle Gestalt unter der Halle erkennen können, dann zogen nur noch die fernen Lichter der einsamen Gehöfte an der Scheibe vorüber. Die Fahrt ging rasch, und in Bruchsal wurde wieder versichert, daß der Karlsruher Zug auf dem gleichen Bahnsteig abführe. Es standen
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| und gingen eine ganze Menge Menschen in der feuchten Kühle dort; über eine Viertelstunde Verspätung! Obgleich die Fahrt dann eilzugartig ging, holten wir die Verspätung nicht ein; aber da wir kurz vor 8 ankamen, war ich um ½ 9 zuhaus, ganz erfüllt von dem Frieden unsres schönen Beisammenseins. Mit Bedauern dachte ich, daß Du Armer noch mehr als zwei Stunden unterwegs sein müßtest, und sorgte mich, ob es nicht für Deine Gesundheit zu viel sei.
Es war so manches in unsern Gesprächen, was in mir weiterwirkte; es ist ja mein Fehler, daß ich nie auf der Stelle die rechten Worte finde, sondern immer nur mit bereiter Seele aufnehme, was Du mir mitteilst. Es gibt mir dann lange zu denken, bis ich innerlich dazu Stellung nehmen kann. Da ist die Litt gewidmete Schrift, auf deren Erscheinen ich mit Ungeduld warte. Denn Du weißt ja, wie tief ich von der Ausweglosigkeit der heutigen Weltlage bedrückt
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| bin, und wie ich von Dir den Hinweis erhoffe, wie da ein höherer Sinn nun zu gewinnen wäre. – Daß Du weniger verständnisvollen Eifer bei den Hörern zu finden meinst, liegt vielleicht daran, daß manche nicht dem Niveau Deiner Vorlesung gewachsen sind. Da wird wohl mancher Samen erst mit der Zeit aufgehen.
Vielleicht fandest Du es störend, daß ich noch stark unter dem Eindruck des Werfelschen Buches stand, das mich sehr gepackt hat? Dieser Mann hat eine fabelhafte Darstellungsgabe, und ich hätte Dir so gern ein Bild davon gegeben. Leider habe ich aber so garnicht die Gabe des Wortes. Es läßt sich so viel Gleichnishaftes aus dem Buch herauslesen, und es ist so wundervoll, wie er das Leben dieser Bernadette ausklingen läßt in dem Ruf: – Ich liebe. – –
Und damit möchte ich heute schließen, damit Du diesen Gruß womöglich Dienstag morgens erhältst und er Dir sagt, wie ich Dir danke für diesen Tag, den Du mir schenktest.
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Grüße Susanne herzlich. Wie steht es mit der Schwester, hält die Besserung an?
Viel gute Wünsche für Gedeihen Deiner Arbeit und innere Zuversicht.
Deine
Käthe.