Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Februar 1951 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 22.II.1951.
Mein liebes Herz!
Was war das mit dem Mißbefinden? Hoffentlich ist es ebenso schnell vergangen wie mein erneut verstauchter Fuß! (Diesmal um der Gerechtigkeit willen der andere.) Die aufgewühlte Straße ist bei den fortwährenden Regengüssen fast nicht zu passieren und ich mußte doch täglich die Elektrische benutzen. Aber Dein Mißbefinden war mir eine gewisse Sorge und ich warte schon recht auf die Nachricht, die ja zum 25. hier sein wird; wie immer das Schönste, was der Tag bringt.
Mich hat die Augenklinik unausgesetzt in Tätigkeit gehalten und ich habe bereits zwei Bilder an den Professor abgeliefert, jetzt hat das dritte begonnen. Ich bin dabei wieder ganz nett hinein gekommen.
[2]
|
Für Deinen lieben Brief vom 16. danke ich Dir ganz besonders. Er half mir gerade aus einer etwas deprimierten Stimmung. Ich habe Dir mancherlei im Anschluß daran schreiben wollen, aber teils hat es die lebhafte Tätigkeit gehindert, teils der lahme Fuß, der mir einen Tag lang recht schmerzhaft und hinderlich war. Aber nach 3 Tagen war alles vorbei. Doch hat es ein nettes Erlebnis dabei gegeben: Rudolf Nitsche bot mir spontan an, mir einzukaufen, was nötig war, und so brauchte ich am Dienstag gar nicht auszugehen und konnte ungehindert bei der Arbeit stillsitzen. –  – Bei uns hat Schenkel einen Vortrag über Gandhi gehalten, über den der Bericht in der Zeitung mir sehr gefiel. Die Gesinnung darin will nicht zu der Kritik von Wenke passen. So wäre da vielleicht auch mal wieder der Unterschied von Theorie und Praxis zu spüren.
Heut aber möchte ich nur diesen kurzen Gruß noch zur Post bringen, nachdem der "kleine" Matussek wie immer sehr gemütlich bei mir war. Er wird um die Osterzeit wohl mal in Tübingen auftauchen. Ich werde am 25. so ganz besonders in Liebe und Dankbarkeit gedenken.
Deine Käthe.

[li. Rand] Grüße auch vielmals Susanne, an deren Sorge ich viel denke.