Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. März 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 13.III.51.
Mein liebes Herz!
Es sind wieder zwei Tage ungenützt vorüber gegangen, und auch heute wird es nicht viel mit dem Schreiben werden. Aber ich möchte Dir doch endlich für den lieben Brief vom 7.III. danken und noch besonders für Deine Bemühung wegen Gretli Schwidtal. Möchte das doch einen rechten Erfolg haben!
Das Semester hat dann also mit Zunahme der Hörerzahl geschlossen. Vermutlich haben viele es bedauert, nicht das Ganze gehört zu haben. Über all dies hoffe ich ja noch allerlei mündlich von Dir zu hören. – Daß Du von Calw aus einen hübschen Spaziergang machen konntest, war mir eine Freude. Es gibt jetzt schon Tage, die wie Frühling anmuten. So war es gestern im Neckartal bei Ziegelhausen; eine ganz unwirklich zarte
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| Stimmung. Wenn es doch bei Deinem Hiersein auch so wäre! Hoffentlich ist Dein Befinden nicht mehr davon gestört. Es ist wohl überhaupt nicht der Frühling schuld, sondern die Nachwirkung des Winters. – Mir hat die etwas gehäufte Arbeit ein wenig zugesetzt. Dabei ist es ja tatsächlich garnicht so viel gewesen, es hat mich nur sehr nervös gemacht. Augenblicklich habe ich täglich einen Abendschnupfen, der mich aber sonst nicht stört.
Meine geistige Nahrung ist der Bericht des Kanzlers v. Müller über seine Besuche bei Goethe. Es ist ja vieles dabei, was ich nicht verstehe, aber von 1821 ab wird es so fühlbar menschlich wärmer, daß es mich sehr anspricht. Auch gelegentliche Mißstimmungen ergänzen das Bild lebendig.
Was mögen die Themata Deiner vier noch bevorstehenden Vorträge sein? Der morgen im "Kaiserkreise" wird Dir gewiß Freude machen,
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| weil Du da bestimmt verständnisvolle Hörer hast. –  – Was das im Tübinger Rundfunk sein sollte, habe ich nicht verstanden!? –
Hier in Heidelberg soll am Sonntag der Erlanger Prof. Günther gewesen sein, der mit Dr. Drechsler eine Besprechung hatte! Ich erfuhr es zufällig durch die Schwester, Frau Hoffmann, die ich heute besuchte. War das wohl wieder "konspirierens" halber? Die beiden sind ja von Berlin her bekannt. Aber Dr. D. ist jetzt sicher in gutem Fahrwasser.
Angeregt durch die erfreuliche Einnahme in der Klinik habe ich mehrere recht nötige Anschaffungen gemacht. Ich habe, durch Dich ermutigt, unbesorgt meine Forderung gemacht und ich hoffe, alle Beteiligten sind damit einverstanden. Es ist ganz gewiß ratsam, so bald als möglich, Notwendiges zu kaufen, denn die Preise steigen unheimlich.
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| Ich habe jetzt Kleiderstoff für ein Winterkleid, das ich schon dies Jahr hätte haben sollen, und ein paar Schuhe, nach denen ich schon monatelang die Schaufenster studierte. Beides gefällt mir, aber es hat viel gekostet. Doch nach der Billigkeit kaufen ist falsch! Jetzt brauche ich noch ein praktisches Waschkleid, so wie das schwarz-weiße war, das ich so lange Jahre gerne trug. Ich habe ja seit Ewigkeit nichts Neues angeschafft! Dabei denke ich oft, wie schon seit Jahren, es lohnt sich garnicht mehr in meinem Alter. Aber man möchte doch nicht so herunter kommen!
Doch nun wirst Du genug davon haben, mein lieber, einziger Freund. Ermiß an diesem Schmierbrief meine Müdigkeit, die mich öfters im Lauf des Tages schon überfällt, und habe Geduld mit mir. Noch 3½ Woche, dann hoffe ich, Dich zu sehen!
Mit innigen Grüßen
Deine
Käthe.

[li. Rand] An Susanne schreibe ich sobald als möglich!