Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22./23. März 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22.III.1951
Mein liebes Herz!
Wenn ein Ostergruß noch rechtzeitig bei Dir sein soll, dann ist es höchste Zeit, ihn zu schreiben! Soeben ist Norbert Matussek fortgegangen nach einem hübschen Zusammensein, mit Kanzler von Müller und der "Jugendpsychologie"! Wir waren bei der religiösen Entwicklung, was uns immer zu mancherlei persönlichen Einschaltungen Anlaß gibt. – Heut vormittag hatte ich bei Prof. Schreck die neue Zeichnung anfangen wollen, aber er hatte eine Schriftsache zum Druck fertig zu machen, so haben wir das Zeichnen auf den Dienstag nach Ostern verschoben. – Die Feiertage werde ich ganz still
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| zu Haus sein und habe mir auch niemand eingeladen. Nur morgen, Karfreitag, soll ich bei Frau Buttmi Kaffee trinken. Sie ist allein und muß die Großmutter hüten!
Heute war ich kurz bei Frl. Held, die mir im ganzen kräftiger erschien, aber über Kopfweh klagte. Von Heimfahren ist noch immer nicht die Rede.
Die Witterung ist so unberechenbar, daß ich fürchte, Ihr werdet nicht viel ins Freie kommen. Möchte es doch dann in der nächsten Woche hier (d. h. vom 7.–9.!) umso schöner sein. Vor allem aber wünsche ich, daß Du jetzt doch ein wenig Ferienruhe haben kannst, wie ich die Arbeitspause mit Behagen genieße. Und jetzt: gute Nacht! Denn es ist schon 11 Uhr vorbei, und da wirst auch Du schlafen gehen. Der Wechsel zwischen Treibhausluft und leichtem Frost macht recht müde.

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Fortsetzung. Karfreitag früh.
Mir ist als hätte ich sehr lange nichts von Dir gehört, und besonders vermisse ich eine Äußerung über die Stimmung, die Du von der Wirkung von der Kulturvorlesung bekamst. Denn daß die "Aktualität" in der letzten Zeit die Besucherzahl wieder vermehrte, ist mir noch kein Beweis dafür, daß Du davon befriedigt warst, wie sie es aufnahmen. Ich habe großes Verlangen danach, von alledem mündlich zu hören.
Es war jetzt immer so vielerlei von außen, was die Gedanken in Anspruch nahm, und die geistige Bewegung blieb lediglich passiv durch die jeweilige Lektüre.
Jetzt hoffe ich, daß mit wiederkehrender
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| Sonne die Wintermüdigkeit bald überwunden sein wird. Das wünsche ich natürlich ganz besonders für Dich, und ich warte ungeduldig auf den Tag, an dem ich mich von Deinem Befinden überzeugen werde. Am 3. Feiertag gehst Du auf Reisen! Werde ich dazwischen irgend eine bestimmte Adresse erfahren? Hoffentlich kommt diese Epistel irgendwie noch vor dem Fest bei Dir an und bringt Dir herzliche Grüße an Dich und Susanne. In stetem innigen Gedenken
Deine
Käthe.