Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 10. April 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 10. April 1951.
Mein liebes Herz!
Als gestern der Zug mit Dir abgefahren war, gab ich dem Stationschef Deine Beschwerde über ungenaue Angaben auf den Plänen weiter, die er lächelnd als unzutreffend ablehnte. Und ich fand dann auf dem allgemeinen Fahrplan, der allenthalben aushängt, den Zug 11.30 mit rotem Druck, mit Unterteilung Stuttgart u. Karlsruhe angegeben. Hoffentlich warst Du nicht in dem Ka[über der Zeile] rlsruher Wagen. An der Auskunft ließ ich mir noch die Zeit angeben, die zum Umsteigen in Stuttgart blieb, und hörte zu meiner Beruhigung, daß es etwa ¼ Stunde war. So hoffte ich also, daß Du nach Wunsch gereist bist und freute mich, als ich Dich endlich in Tübingen wissen konnte.
Die kurze Zeit am Montag war mir noch ein liebes Geschenk. Aber im ganzen war es doch garzu jammervoll, Dein Mißbefinden mit anzusehen, bei der Sorge, daß Du eigentlich
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| längst in Ruhe und in Dein Bett gehörtest. Hoffentlich bekomme ich bald beruhigende Nachricht! –
Hier gab es am Nachmittag zwischen 5 u. 6 ein Wetter, wie Du es wohl bei Darmstadt erlebtest. Ich ging gerade zu Buttmis und sah wie es aufzog. Ich habe solchen Himmel noch nie gesehen. Wie Schleierfetzen wurden die Wolken aus einem Zentrum im Westen daher gepeitscht, und dann kam eine kohlschwarze Masse herauf, die sich dann prasselnd ergoß und als allgemeiner Regen sich ausbreitet. Als die ersten Tropfen fielen, war ich in Sicherheit, und konnte vom Fenster den stürmischen Verlauf beobachten. Seitdem ging das Barometer ständig aufwärts, und heute war ein überwiegend sonniger Tag. Aber ich bin doch zufrieden, daß es am Sonntag noch nicht so war, denn dann hätten wir wahrscheinlich irgend etwas Leichtsinniges unternommen, und ich glaube doch, daß die gleichmäßige Temperatur im Zimmer Dir gesünder war.
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Heute nun hat die Arbeit in der Klinik wieder begonnen. Zum Glück nicht an der gefürchteten alten Frau, aber an ihrem ältesten Sohn, einen 38er, der wie Ende 50 wirkt, und nur um etwa 20% weniger schwierig zu handhaben ist. Von 10–12½ war ich dort. Zu Haus habe ich dann nach dem Kochen und Essen von ½ 3–5! geschlafen und dann noch weiter 2 Stunden an der Sache gearbeitet. Morgen geh ich erst nachmittags hin, weil morgens die Aufwartung kommt. Vorläufig habe ich noch Vertrauen, daß es etwas werden kann mit der Zeichnung.
Und nun will ich diesen kurzen Brief zur Post bringen, denn er soll Dir danken für Dein "Kommen trotzdem", und ich habe nur den Wunsch, daß Du dich mit dieser Hinquälerei bei diesem schweren Katarrh nicht ernstlich geschädigt hast. Alles umher erinnert mich an Deinen lieben Besuch, der äußerlich so anders ausfiel, als wir es vorher dachten.
In Liebe und Sorge grüßt Dich
Deine Käthe.

[li. Rand] Grüße an Susanne und auch an Ida sind immer dabei.