Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. April 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14.IV.1951
Lieber Patient,
es hat mich betrübt und mir Sorge gemacht, daß der starke Stirnhöhlenkatarrh auch nachdem er sich Luft gemacht hatte, nicht rasch vorüber ging. Ich hoffe nur, daß Du nicht trotz der späteren Abreise durch die erneute Bahnfahrt die Heilung verzögert hast! Das Wetter ist so garnicht zu ruhigem Aufenthalt im Freien geeignet. Wenigstens wird es bei der vielen Feuchtigkeit nicht sehr staubig sein, und Du wirst ja selbst die Landstraßen schon wegen der Autos vermeiden.
Deine lieben Karten, die mir fortlaufend Nachricht geben, waren mir sehr lieb. Wenn sie nur Besseres zu melden gehabt hätten!
Jetzt nun muß ich annehmen, daß Ihr
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| morgen in Überlingen eintreffen werdet. Hier ist es noch immer kalt, es wechselt Sonne mit Regenschauern und Hagel; bei Nordwind läßt sich mein Zimmer schlecht heizen. Aber am Montag hoffe ich wieder Eierbriketts zu bekommen, die schon länger fehlen.
Von Deinen "Bazillen" habe ich nichts behalten und überhaupt bin ich gesund. Nur hat mich wieder die Arbeit an dem Augenhintergrund sehr angestrengt. Es verbraucht meine ganze Kraft und vorläufig bin ich mit dem Resultat nicht zufrieden. Ich will froh sein, wenn ich wieder bei den mikroskopischen Schnitten sitze.
Euch beide begrüße ich in Gedanken an meinem lieben Bodensee, und bitte Euch nur, keine riskanten Unternehmungen zu wagen. Mit dem Wunsch einer geruhsamen Erholung grüße ich herzlich!
In stetem Gedenken
Deine
Käthe.