Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 17. April 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 17.IV.1951
Mein liebes Herz!
Es reicht heute wieder nicht zu einem Brief, aber ein kurzer Gruß soll Dir doch sagen, wie sehr mich das seit Sonntag aufgebesserte Wetter für Dich freut. Die warme Sonne wird, so hoffe ich, all die Schädigung Deines Befindens nun ausheilen. Ich denke doch, Du wirst die Tage, die Du am Anfang versäumen mußtest, jetzt zum Schluß anhängen. Es wäre wirklich sehr nötig nach der großen Anstrengung, die Du Dir mit dem Katarrh trotz des ständigen Regens zugemutet hast.
Bei mir ist seit Deinem Hiersein eine recht stramme Arbeitszeit. Es regnet einen Augenhintergrund nach dem andern. Seit gestern bin ich bei dem 6. seit Mitte März. Und da die Patienten nur ambulant anwesend sind, eilt es immer schrecklich, und es sind auch äußerst komplizierte Fälle.
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| Der behandelnde Arzt gibt sich große Mühe, mir die Sache anschaulich zu machen, aber er hat kein Verständnis für meine Leistungskraft. Gestern mußte ich von 4 Uhr bis abends nach 9 Uhr bei der Arbeit in der Klinik vor dem Apparat hocken! Und noch ist ein weiterer Fall in Arbeit. – Dabei ist draußen eine überschwängliche Blüte, und ich werde sie nur von der Elektrischen aus sehen. Ob am Bodensee schon der Frühling eingekehrt ist? Er kam gewöhnlich dort etwa eine Woche später als hier.
Ich werde mich sehr freuen, wenn ich recht frohe und befriedigte Nachricht von Euch erhalte. Diesen Zettel schicke ich noch nach Überlingen, denn ich rechne mit einer kleinen Ausdehnung des dortigen Aufenthaltes. Genießt nur recht ausgiebig die schöne Sonne. Ich empfinde dabei umso mehr die Kellertemperatur meines Zimmers, doch habe ich heut endlich die Eierbriketts bekommen, sodaß ich wieder richtig heizen kann.
Ich bin mit freudigen Gedanken bei Euch und hoffe auf ebensolchen Bericht. Und jetzt werde ich gründlich schlafen, denn ich bin totmüde.
<li. Rand>
In stetem Gedenken sei gegrüßt, und grüße auch Susanne herzlich.
Deine Käthe.