Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. Juni 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 25.6.1951.
Mein geliebtes Herz!
Wir richten uns alle nun auf ein Jubliäumsjahr, Du und ich, und dies alte Buch, das Dir von der in uns unzerstörten Heimat redet! Du gehst dem siebenten Jahrzehnt entgegen, ich dem achten und das Bilderbuch dem zehnten! Welch eine Wandlung liegt in diesem Zeitraum! Aber wir haben aus allem das Dauernde bewahrt.
Und so laß uns auch im unruhigen Getriebe der gegenwärigen Tage am inneren Gleichmaß festhalten und zu stiller Besinnlichkeit einkehren.
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– Soeben habe ich nun Deinen lieben Brief vom 23. empfangen, der auch im Grundton mit dem Verlauf des äußeren Lebens nicht befriedigt ist. – Mir hatte sehr eine Nachricht von Dir gefehlt, und ich bin erstaunt, daß die Pause seit Deinem letzten Schreiben, wie ich an den Daten sehe, nicht länger ist als 12 Tage. Ich habe nicht unruhig gewartet, aber ich entbehrte Dich! Es war so manches enttäuschend und unerquicklich, und da ist ein erfreulicher Bericht aus Deinem Leben, der mich recht lebhaft zu Dir versetzt, immer das beste Gegengewicht.
Da waren die vier Tage in Dielbach eine wahrhafte Erfrischung, die allerdings durch die nachfolgende Schwüle hier unten wieder
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| recht gedämpft wurde. – Jetzt bin ich nun froh, daß die relative Fülle der Verpflichtungen nachgelassen hat und ich mich der Sache gewachsen fühle.
Auch für Dich, Du Lieber, hatte ich eigentlich noch etwas Schöneres für Deinen Geburtstag haben wollen, was sich aber nicht beschaffen ließ. So war ich wenigstens froh, dies liebe Andenkenbuch zu haben. Es macht mich nicht melancholisch, sondern ich fühle, daß eine Erfüllung aus alledem wuchs, was mich bei den alten Bildern bewegt.
Freilich die Zerstörung jener Stätten, wie sie heute besteht, möchte ich nicht sehen. Und ich begreife Hermann mal wieder nicht, der vorhatte, seiner Frau das "Berlin von
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| dazumal" zu zeigen! Es wird nichts daraus, denn Ruges können sie nicht unterbringen. Gleichzeitig entnehme ich mit stiller Befriedigung seinem Brief, daß er mit meiner Ablehnung seiner Einladung eigentlich recht zufrieden ist. Es wäre sicher für alle Teile mehr Aufgabe als Genuß gewesen, und wie sollte man die Kosten verantworten!
Aber wann, mein liebes Herz, sehen wir uns einmal wieder? Es ist mir in letzter Zeit mehrmals garnicht wohl gewesen ohne nachweisbaren Grund, und dann denkt man unwillkürlich: wie lange noch?
Es braucht keiner Bestätigung, daß Du mir immer gegenwärtig bist, bei allem was ich erlebe und umgekehrt sagt mirs wieder Dein lieber Brief. So wollen wir in stiller Verbundenheit auch das neue Jahr beginnen. Mit innigen Wünschen grüßt Dich in immer gleicher Liebe
Deine Käthe.