Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. Juli 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24. Juli 1951
Mein liebes Herz!
Alles lag auf meinem Tisch bereit, um Dir zu schreiben, da kam überraschend auch noch die so sehr erfreuende Ankündigung des geplanten Zusammentreffens in Jagstfeld! Schon die Karte vom 17. Juli hatte mich sehr froh und dankbar gemacht, und in Gedanken sagte ich Dir das täglich, aber weiter reichte die Energie nicht. Nun will ich es aber auch sichtbar äußern, und Dir gleich versichern, daß mich nichts in der Welt hindern soll, am Sonntag d. 29.7. zur angegebenen Zeit am Bahnhof Jagstfeld zu sein. Etwaigen Regen fürchte ich nicht, denn meine "Garderobe" pflegt nie so wetterempfindlich zu sein, daß sie in
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| Gefahr käme, und ich selbst bin es noch weniger. Die Witterung soll uns also in keiner Weise stören und ich bin nicht dafür, etwa schon in Wimpfen auszusteigen und dadurch die kostbare Zeit des Zusammenseins zu verkürzen. Möge uns der Himmel freundlich sein!
Heute ist es hier kühl und trübe. Wir hatten aber schon richtig warme Sommertage zwischen all der üblichen Gewitterschwüle.
Meine Tage waren freiwillig und unfreiwillig ziemlich unruhig. Teils brachte der ungewöhnliche Obstreichtum die Verpflichtung des Einkochens, teils lockte mich die Sonne öfters aus meinem sonnenlosen Zimmer. Ein hübsches Concert hörte ich bei der Einweihung der hiesigen Volksschule, auch briefliche Verpflichtungen kosteten Zeit, weil sie mir schwer fielen und auch in der Klinik war noch ein
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| kleines Nachspiel. – Hübsch war mehrmals ein Zusammensein mit Frl. Held, die entschieden wohler als im Winter, aber doch sehr labil und kraftlos ist. – Hanna Héraucourt dagegen ist voller Energie, wenn auch nur noch Haut und Knochen. Sie war in Bayern bei der verheirateten Schwester, und geht jetzt nach Frankreich zu der andern.
Doch von alledem und manchem andern mündlich. Es geht doch so viel vor, was ich mit Dir besprechen möchte. Und viel denke ich in diesen Wochen Deiner zum Semesterschluß. Ob Du beschlossen hast, die offizielle Lehrtätigkeit aufzugeben? – ? –
Und so hoffe ich von ganzem Herzen auf ein stilles und frohes Zusammensein, wo auch immer, in Mühlacker oder Jagstfeld!!
Deine
Käthe.