Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. September 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 3. Sept. 1951.
Mein liebes Herz!
Ich bin noch wie betäubt von der Nachricht, die ich vorhin bei Frau Buttmi hörte! Ist es denn wirklich wahr, daß sich die Deutschen darauf besinnen, wer Du bist? Im ersten Augenblick erschrak ich sehr, unwillkürlich mußte ich die Hände falten bei dem Gedanken, welche Anstrengung und Erregung das für Dich sein müsse. Aber ich weiß doch, wie gerade vor einer ungewöhnlichen Aufgabe Deine Kräfte wachsen, und wer könnte berufener sein, an dieser Stelle für Deutschland zu sprechen! Da wird kein politischer
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| Streit zu Worte kommen, sondern ernste Besinnung und Mahnung, ein Ruf zu neuer Sammlung deutschen Wesens in Pflichttreue und innerer Zuversicht.
Es ist seltsam, daß ich gerade gestern mir zu neuer Lektüre Deine Rede in Tübingen: "Kulturpathologie" zurecht legte. Ich hatte keine Ahnung von der Forderung, die jetzt an Dich herantreten könne, aber meine Gedanken waren wohl auch in der Ferne von Deinem Erleben beeinflußt.
Und so grüße ich Dich mit innigen Segenswünschen und stillem Gebet.
Deine
Käthe.