Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. Oktober 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 12. Okt. 1951
Mein liebes Herz!
Ich sitze hier bei Héraucourts und warte auf Hanna, die seit gestern wieder den ganzen Tag im Buchhandel tätig ist. Es wird vermutlich kein richtiger Brief werden, aber ich muß Dir doch notwendig endlich Dank sagen für all das Liebe, das ich wieder von Dir erhielt. Die Drucklegung der Bonner Rede war eine so ganz besondere Freude, besonders auch durch die Überraschung, da Du ja das Drucken abgelehnt hattest. Es war seltsam, Deine Worte nun vom Papier abzulesen, die ich – nach Jahren einmal wieder – von Dir gesprochen hörte!
Es war eine unruhige Zeit, seit ich Dir zuletzt schrieb: Die Schwestern Schwidtal kamen nach einander hier durch und solcher Besuch kostet mich den ganzen Tag; dann war mehrfach die Besorgung der Buchstaben auf Aennes Grab zu kontrollieren, das zweitemal gemeinsam mit ihrer Großnichte, Hanni Popp.
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| Die Sache ist durchaus sorgsam ausgeführt. Jetzt war noch die Bepflanzung anzuordnen, was ich bei dem altbekannten Gärtner zu besorgen übernommen hatte. Eine dritte Hanna besuchte mich, eine Freundin von Rösel Hecht, mit der ich nach dem Kaffee eine hübschen Weg ins Rohrbacher Tal: den "kühlen Grund" und über den "roten Buckel" zurück machte, was bei Sonnenuntergang sehr reizvoll war. – Und mit Hedwig Mathy war ich im Siebenmühlental – kurz, ich war viel in der schönen, klaren Herbstluft und warmen Sonne. – Dabei denke ich immer mit stillem Wunsch an Dich und hoffe, Du möchtest Zeit haben, auch manchmal ins Freie zu kommen.
Susannes Brief freute mich da besonders durch die Nachricht, daß Du etwas Ruhe zu eigner Arbeit gehabt hättest. Sage ihr doch für ihr Schreiben meinen Dank, bis ich zum beabsichtigen Antworten komme.
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Es ist allerlei in den Zeitungen gewesen, wovon ich gern Dein Urteil gehört hätte. Aber ich habe die Notizen nicht bei mir. –– Heute sollst Du in Tübingen einen Vortrag halten, und am Sonntag in Stuttgart. – In der Zeitung war ein Bericht vom hiesigen Heß über eine Erziehungstagung in Tübingen, von der ich durch Dich nichts hörte. Es schien ein großes Aufgebot von allen Fakultäten und Bildungsstufen. –  –
Ich bin froh, daß für Dich nun vor dem Semesterbeginn nur noch der Vortrag in Göppingen sein wird. Und an die Tagung der Forschungsgemeinschaft denke ich mit geteilten Gefühlen, denn es scheint mir eine etwas unerwünschte Belastung für Dich, aber daß dadurch Dein Weg einmal wieder über hier führen wird, das ist schön! Ich wollte nur der Himmel schenkte uns noch einen solchen Tag, wie sie jetzt sind.
Sehr herzlich danke ich Dir auch für die Postsendung, die mir [über der Zeile] stets überraschend und ein wenig bedrückend ist, denn es ist mir doch immer schmerzlich, daß ich nicht fähig bin, selbst
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| für mich zu sorgen, und Dir so dauernd zur Last falle, Du Lieber, Guter, Einziger!
Heute habe ich von Rudolf Nitsche, Dr. chem. Abschied genommen, der zunächst für ½ Jahr zu einem Studienaufenthalt nach Amerika geht. Es war mir eine Freude, daß er sagte: sie hätten ja wirklich mit dem Vermieten kein größeres Glück haben können, wenn sie hörten, was andre damit erleben! —  —
Doch nun ist Hanna gekommen und ich will diesen Gruß auf dem Heimweg an der Post einstecken. Für heut nur noch viele, viele Grüße und innigen Dank für alles Liebe und Gute!
Deine
Käthe.