Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 21. Dezember 1951 (Heidelberg)


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Heidelberg. 21. Dez. 1951.
Mein liebes Herz!
Heut ist nun also der kürzeste Tag des Jahres und wir gehen wieder dem Licht entgegen. Aber es geht langsam! Ich blicke darum heut noch lieber zurück, vor allem auf die lichten Stunden Deines lieben Besuches. Es war für mich ein richtiges Aufleben, das noch tagelang fortwirkte. Auch sonst ging mir viel Gutes durch den Sinn in meiner besinnlichen Einsamkeit. Der Spruch aus ganz früher Zeit, den ich dem Kalender für dies Jahr gab, erfüllte mein Herz mit Zuversicht. Wirst Du merken, wie viel Mühe ich mir mit der Schrift gab? Augen und Haut sind doch recht schwerfällig geworden. Darum
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| beließ ich es auch bei dem ganz netten vorhandenen Rand und hoffe, das soll Dich nicht stören. Es werden wie immer arbeitsreiche Tage sein, die auf den Blättern verzeichnet werden, und es wird auch eine entscheidende Veränderung der Pflichten dabei sein, aber die Gewißheit Deiner lebenweckenden Wirkung wird Dich weiter begleiten, umso sicherer als nicht ein Versagen, sondern ein freiwilliger Verzicht die Ursache ist. Es wird an neuen Aufgaben zur Wirksamkeit nicht fehlen. Viele innige Wünsche für Deine Gesundheit und freudige Kraft gebe ich all den noch unbeschriebenen Blättern für Dich mit.
Du weißt nun, wie das Bäumchen aussieht, unter dem ich am Heiligabend in stillen Gedanken sitzen werde. Es haben
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| sich bereits allerlei überraschende Liebesgaben darunter gesammelt. So von Ursel Kohler, jetzt Frau Platt; von Gisela Gaßner und von Eggerts. Gestern war der übliche Leseabend mit Matussek und Frl. Reinhard, und beim Fortgehen ließen sie ein kleines Fläschchen Rum! und Süßigkeiten auf dem Schränkchen stehen. Von mir hatten sie nur Honigkuchen, Tee und Rotwein vorgesetzt bekommen, denn ich hatte keine Schenkerei einführen wollen. – Jetzt bin ich nun so gut versorgt mit Drucken der Bonner Rede, daß ich dem jungen Doktor ein Exemplar zu Weihnachten schenken kann, wie das überhaupt die einzige Form meiner Weihnachtsgeschenke ist.
Am zweiten Feiertag werde ich mit Hedwig Mathy voraussichtlich bei ihrer Schwester Frau Franz sein, wo es immer sehr hübsch und gemütlich ist. Eingeladen habe ich mir niemand; statt dessen denke ich recht viel
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| alte Briefschulden zu erledigen. Die drei beabsichtigten Briefe, von denen ich Dir sprach, sind dann wirklich geschrieben worden, aber nicht am Sonntag sondern erst am Montag.
Erst gestern habe ich je ein Päckchen für meine Geschwister fertig gemacht, und ich fürchte, das wird kaum noch zurecht kommen. Bis Tübingen aber wird es hoffentlich auch morgen noch reichen. Aber darum muß ich jetzt den Brief schließen in der Gewißheit, daß Du fühlst, welch innige Liebe er Dir bringt. Viele weihnachtliche Grüße von
Deiner
Käthe.