Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. März 1952 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

14.III.52.
Meine einzige Freundin!
Heut wird die Adoption der Christiane Bethmann durch den Baron von Holzhausen unterzeichnet. Zwei alte Frankfurter Namen kommen da auf merkwürdige Weise zusammen. Das arme kleine Ding hat seit Tagen gefragt: "Immer? immer? ...." Es ist noch in Sorge, ob nicht doch wieder jemand kommt und sie "mitnimmt". Was aus Deiner Zeichnung geworden ist, war aus Deinem lieben Brief an Susanne nicht mit Deutlichkeit zu entnehmen. Ich hoffe, daß sie Dir nicht allzu viel Mühe gemacht hat und mit Dank angenommen worden ist.
Wir waren mit den 3 Tagen in Liebenzell recht zufrieden. Sie schlossen mit einem Gang durch Nagold, wo wir beide wohl 1913? von Altensteig aus landeten.
Ich bin stark in der Arbeit, zunächst an einem Beitrag für die Gedenkschrift für Nicolai Hartmann. Besuch hatten wir von dem aus Amerika zurückgekehrten Herrn Weinhard und tags darauf
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| von Frau Hangleiter. An diesem Tage muß ich etwas Schädliches gegessen haben oder mein Organismuß wieder einmal in toto revoltiert haben: kurz ich mußte den "Kaiserkommers", bei dem der Architekt Schmitthenner sprach, vorzeitig verlassen und kam mit Herzbeschwerden nach Hause. Übergebungsversuche waren recht abscheulich. Den nächsten Tag blieb ich bis 17 im Bett. Seitdem ist alles in Ordnung. Aber im ganzen: "Mit mir ist nicht viel los."
Vielleicht freut es Dich, zu hören, daß die nächste Sitzung der Forschungsgemeinschaft in Heidelberg (Akademie) stattfindet, am 31.III um 9. Ich plane, schon am Nachm. vorher um 15.35 anzukommen. Wenn es Dir keine besondere Mühe macht, bestellst Du mir vielleicht ein Zimmer für die Nacht 30./31. Das ist allerdings Sonntag zu Montag. Andernfalls bitte ich Herrn Schmeil. Am Montag werde ich allerdings gegen 19 Uhr abfahren müssen (dann bin ich noch 23 zu Hause.) Denn es ist furchtbar viel zu tun.
Von den "Perspektiven" erscheint die 2. Aufl. unverändert.
Gestern war, wie Du in der Zeitung gelesen hast, hier mit ungewöhnlichem Pomp die Bestattung des Bundesministers Wildermuth, der auch zum Kaiserkommers gehörte.
<re. Rand> "Man sagt", Krüger ginge nach Frankfurt. Das ist für uns Fachgenossen hier eine erhebliche Mehr-Beanspruchung.
Für heute nur dies Zettelchen mit vielen innigen Grüßen u. Wünschen. Änne kommt am 25.III, nicht wahr? Dein getreuester Eduard