Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. April 1952 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

10. April 52.
Meine einzige Freundin!
Seit vorgestern ist wirklich der Frühling da, so daß man mit besserem Gewissen Ostergrüße senden kann. Ich danke Dir für Deinen lieben Brief. In ihm fühlte ich sehr mit, wie ein Besuch – Gaßner – zugleich willkommen und doch angreifend sein kann. Besonders im Frühling müssen "wir" mit den Kräften haushalten. Ich denke mir aber, daß Du nicht allzu weit von Dir eine Bank kennst, auf der Du in der Sonne sitzen kannst – zum Ausgleich Deiner noch kühlen Wohnung. In den Festtagen werden wir uns in Gedanken suchen und finden; verlaufen sie still, so ist es am festlichsten.
Wenn alles glückt, kommen Susanne und ich am Donnerstag 17.IV. um 13.21 durch. Es geht da auch wieder kurz vorher ein von Stuttgart kommender Zug ab. Unsrer ist der nach Köln u. Essen. Hinfahrt II. Kl. Am Sonntag fahren wir,
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| vielleicht mit Bahnhofsbegegnung Selma und Gatten in Köln, nach Kronberg. Dort Montag und Dienstag. Mittwoch früh Heppenheim. Am Abend komme ich zunächst allein nach Heidelberg. Hoffentlich ist das Doppelzimmer bei Rodrian wieder frei, bzw. ein Einzelzimmer. Denn Susanne kommt erst am 24. von Heppenheim nach Heidelberg, während ich am 24.IV. 17.20 schon abfahren muß. Sie könnte also meine Nachfolgerin im Quartier sein. Unsre Adresse in Kronberg kann ich Dir hoffentlich noch von hier aus schreiben; dann auch erst die endgiltige Bitte um Zimmerbestellung. Die Reisedispositionen sind etwas kompliziert, weil, wie stets, die Termine sich bei mir drängen.
Gehn tut es mir eigentlich nie berühmt. Ich habe seit 14 Tagen Halsschmerzen, wie Wagenhäuser sagt: einen ziemlich starken "Tübinger Katarrh."
Morgen kommt das Ehepaar Hillgenberg zu uns zum Kaffee (Schulkamerad.) Übermorgen der von hier fortgehende Administrateur Thieberger mit Frau und Kluckhohns. Ostersonntag sind wir bei Wenkes.
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Krüger hat in Frankfurt angenommen. Das bedeutet eine starke zusätzliche Belastung für den ohnehin sehr unruhigen Sommer. Er hält natürlich seine Examina hir nicht mehr ab, und dgl.
Trautz ist mit 75 Jahren in Karlsruhe gestorben. (Kyoto!)
Ich bin immer fleißig gewesen, habe aber nichts anderes leisten können als die treue Erledigung der zahlreichen kleinen "Bestellungen", die bei mir vorlagen. Nicht bewältigt sind u. a. die Beiträge für die beiden Festschriften (Meinecke und Bäuerle) Es ist keine Freude mehr, im heutigen Wissenschafts"betrieb" zu arbeiten.
Ich muß wohl zu dem Stichwort Heppenheim noch nachtragen: dort lebt eine recht alte Cousine von Susanne als prakt. Ärztin (Flüchtling aus Breslau.), die sie seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Ich soll sie auch kennen lernen, steige aber nur für 3 Stunden aus, um abends mit Dir zusammen zu sein.
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Jetzt muß ich schnell zu Ende kommen. Denn wir wollen nachm. bei dem schönen Wetter einen kleinen Spaziergang machen.
Herzliche Ostergrüße von Susanne und Ida und
Deinem getreuesten
Eduard.