Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Juni 1952 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN [handschriftl.] , 27.6.52
RÜMELINSTR. 12>

21½
Meine einzige Freundin!
Ein Wort noch – obwohl todmüde! Ich glaubte, eine ungefähre Vorstellung vom heutigen Tage zu haben. Aber sie ist überwältigend übertroffen worden. Ich danke Gott, daß ich das empfangen durfte, danke Ihm aber auch, daß Er mir die Kraft gegeben hat, es zu überstehen.
Gestern Abend Fackelzug der Studentenschaft, ca 400 Fackelträger, Ansprache zum Fenster hinaus. Heute früh Ständchen mit Psalmworten des Studentenpfarrers. Wachsmuth schon seit gestern Abend. Heute dauerte die Gratulation im Museum von ½ 12–1. Ich antwortete individuell, und es scheint, daß ich mit Ernst und Humor die Herzen getroffen habe. Ich habe den Ehrendoktor der Philos. Fakultät Berlin erhalten und den Juristischen Ehrendoktor von Köln. Der Rektor der Techn. Hochschule Stuttgart waren da, der Landrat, der Oberbürgermeister, Rektor, mein Dekan und alle Tüb. Dekane.
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| Etwa 85–100 offizielle Gratulanten. Zu Mittag blieben nur etwa 15 da. Nachm. intimerer Kreis, besonders jüngere. Abends um 7½ Schluß mit Silvia Wais. Ein Wald von Blumen ist gar kein Ausdruck. Die Geschenke, darunter Bücherwidmungen, türmen sich zu Bergen. Briefe nur zum kleinsten Teil eröffnet – bisher wohl 300. Eben habe ich noch 55 Telegramme, nur die, die nachm. gekommen ware, eröffnet.
Gestern abend 3 Generationen im Rundfunk: Litt, Wenke, Aknoli (stud. hier.)
Der treue Wenke hat Unmenschliches getan. Die Organisation funktionierte so, daß ich alles Erforderliche leisten konnte.
Nun kommt die stille Einkehr. Sie sollte ja eigentlich die Hauptsache sein. Das ist heute nicht erlaubt. Das Bild meiner Mutter ist mit Rosen geschmückt. An Christianchen habe ich heute früh geschrieben: der Älteste der Jüngsten. –
Flitner war gekommen. Kroh u. Jahrreiß brachten die Diplome und lasen sie öffentlich vor. Wachsmuth für die Goethe-Gesellschaft.√ [li. Rand] Schmeil. Selbst der Präs. der Berliner Akademie hat gratuliert.
Du warst in jedem Moment anwesend. Was wissen all die lieben Leute von den eigentlichen Quellen der Kraft, aus der ich lebe?
"Alle" grüßen. Innigst dankend für Brief <re. Rand> und die 4 Gaben
Dein Eduard
AEI.