Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. August 1952 (Freudenstadt)


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Freudenstadt, 16.8.52.

<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>
Meine einzige Freundin!
Susanne packt, während ich dies schreibe. Es sah heute früh so aus, als ob es der erste Regentag werden wollte; aber es macht sich noch. Nur einmal sind wir bis unter die Haut naß geworden, als Johanna Wezel-Richter hier war. Sie hatte weder Schirm noch Mantel. Da bekommt dann der Kavalier mit Schirm natürlich mehr ab, als er verdient. Die 7 Stunden mit ihr waren nett. Sie hat sich lebhaft nach Dir erkundigt und läßt grüßen. Näheres mündlich.
Kaum je bin ich innerhalb von 14 Tagen so viel im Wald gewesen, wie diesmal. Ich habe Dich wegen der Heidelberger Schwüle sehr bedauert. Das geht auf die Nerven. Kommt die Abkühlung, ist man zunächst ganz zerschlagen. Sei doch dann recht vorsichtig und mache die Einkäufe in Rohrbach, nicht in der Stadt.
Folgendes haben wir unternommen: Beide Sonntage waren wir in Alpirsbach (wo ein liebenswürdiger Rassehund.) KastlsteinRippoldsauZwieselberg habe ich schon erwähnt. Besonders hübsch war Weg vom Kniebis nach Mitteltal (oberhalb Baiersbronn, wo der "Ochse" noch immer als Ruine
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| steht.) In Zwieselberg waren wir im ganzen dreimal. Vorgestern sind wir auf dem schmalen "Grenzweg" (Baden-Württ.) vom Kniebis dorthin gegangen. Einmal von Rodt nach Freudenstadt zurück. Gestern nach oben über den Berg nach Baiersbronn. Gegessen haben wir meistens in der neuen "Linde" – aber der Wein war besser als die primitive Küche, für die der Sohn Grüninger zeichnet.
Ich werde nun 4 sehr arbeitsreiche Tage in Tübingen haben, um meine Vorträge für die Mainau vorzubereiten. Dorthin reise ich am 21.8. mittags ab und bleibe da bis 26.8. früh. Adresse "Internationales Institut, Schloß Mainau." Susanne bleibt in T. (oder rückt auch wieder nach Alpirsbach aus.)
Ich habe mich hier besser erholt, als bei dem kurzen Aufenthalt zu erwarten war. Durchschnittlich sind wir jeden Tag 4 Stunden auf den Beinen gewesen; abends um 9 waren wir meist todmüde und schliefen dann ausgezeichnet. Besuche (außer Annemarie und Johanna) haben wir konsequent abgewehrt, selbst solche, die leichter zu behandeln gewesen wären als Walther H.Hoffentlich hast Du in dieser Hinsicht nun auch eine Zeitlang Ruhe. Meine nächste Durchreise ist kaum vor Anfang Oktober zu erwarten.
F. ist zum größten Teil wieder aufgebaut, alles auf Schuldengrundlage. Vom <li. Rand> Markt fehlt nur noch die Talseite. Der Platz selbst ist noch ein Ort ständigen Hackens und Grabens, ein Radauort ersten Ranges, den man meidet. – Haben Kohlers geantwortet? – Wir wollen jetzt <re. Rand> noch einmal auf den Turm, wo wir uns abends freuten, daß die im Palmenwald schon am Trog sitzen mußten. Viel herzliche Grüße von uns beiden und alle guten Wünsche!
Innigst Dein Eduard.