Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. August 1952 (Tübingen)


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21.8.
Meine einzige Freundin!
Diesmal haben mich Deine lieben Zeilen etwas geschmerzt. Nebensächlich ist, daß Du wohl meine früheren Programmitteilungen vergessen hast. Es könnte allerdings auch sein, daß ich vergessen habe, alle Einzelheiten anzugeben. Nur deshalb sind doch die Freudenstädter Ferien so kurz gewesen, weil ich heute nach der Mainau muß; die 4 Tage hier habe ich verzweifelt gearbeitet, um die Stichworte für die 5 Vorträge zusammen zu bekommen.
Wenn ich am 27.8. wieder hier bin, ist es ebenso für einen hier zu haltenden Vortrag am 3.9., für den ich nicht einmal den Stoff beisammen habe. Und außerdem kommt Louvaris am 29./30 – also fällt noch mehr Zeit fort.
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Du weißt, daß ich zu Dir komme, wenn ich nur irgend kann. Du weißt vielleicht nicht, daß ich oft die Kraft für alles, was zu geschehen hat, nicht mehr aufbringe. Und da, dachte ich, würdest Du mir helfen durchzukommen und nicht von gekränkten Gefühlen schreiben.
Daß ich Dich nicht in den Trubel des 27.6. hineingebeten habe, war wohlbedacht. Du brauchst Ruhe und hast wohl keine volle Vorstellung, was die ganze Zeit vom 26.6. bis heute von mir verlangt hat. Jedenfalls hatte ich oft das Gefühl "Es geht nun nicht mehr, der Kopf muß platzen"
Ich hoffe, Du siehst in der Unmöglichkeit, gerade am 31.8. zu kommen, keinen Mangel an Liebe. Das würde sehr dazu beitragen, daß ich wirklich nicht mehr <li. Rand> durchhalten kann. Dieser Zettel ist einer von denen, auf die ich eben noch das Nötigste für die Mainau – notieren mußte. Innigst Dein Eduard