Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. September 1952 (Tübingen)


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Tübingen, den 25.9.52
Meine einzige Freundin!
Die schönen Herbstzeitlosen sind angekommen und haben mich beglückt – durch sich selbst und als liebgewordenes Symbol. Man weiß nur diesmal nicht, ob sie im Herbst oder im Winter gepflückt sind. Ich muß doch auch einmal dieses so oft genannte Siebenmühlental sehen. Zunächst aber danke ich Dir wärmstens für die lieben Empfindungen, die diese Sendung begleitet haben. Du weißt, sie klingen immer mit den meinigen zusammen.
Du wirst inzwischen – ebenso wie wir – von Matusseks Besuch gehabt haben. Die 2 Stunden waren angenehm. Sie hat etwas Eigenartiges, halb sympathisch, halb nicht. Leider habe ich die ganze Vorgeschichte vergessen und weiß nur von ihrer Konversion.
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Du weißt, daß ich mich zu dem Altersheimplan immer positiv verhalten habe. Ich hätte es weniger getan, wenn Dein Zimmer mehr Sonne hätte und von Tr. N. mehr Wärme ausstrahlte. Ich bin also mit dem Vormerken ganz einverstanden, nachdem Du den Ort als sympathisch erkannt hast. Nur ist das Vormerken ohne Wirkung, wenn man nicht den lebhaften Wunsch nach Realisierung durch wiederholte Besuche zum Ausdruck bringt. Das heißt also: man muß sich entscheiden. Die Kehrseiten sind Dir ebenfalls bekannt: Ein Heim der Inneren Mission hat natürlich seinen frommen Stil; man kann sich, wenn man drin ist, den gemeinsamen Andachten, besser gesagt: der Art dieser Andachten, unmöglich entziehen. Die Auflösung des eignen Haushaltes ist ein schmerzlicher Schnitt, und außerdem anstrengend. Ich müßte also gewiß sein, daß dazu Hermann oder Mädi oder sonst einer Deiner Verwandten nach Rohrbach kommt. Condicio sine qua non. Was die finanzielle Seite betrifft, so wäre ich nötigenfalls in der Lage, das Bisherige
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| halbjährlich oder jährlich im voraus zur Verfügung zu stellen.
Nun würde ich aber gern wissen, 1) wo das Haus liegt, und 2, ob noch andere Institute dieser Art in Betracht kämen. Denn es kommt doch alles darauf an, daß man sich dann auch "heimisch" fühlt. Daß das möglich ist, weiß ich von manchen alten Damen meiner Bekanntschaft. Bei solchem Zusammenleben ergeben sich allerdings gegenüber der Einzelexistenz mehr Reibungsflächen. Darüber muß man sich auch im voraus klar sein.
Mehr darüber am 7.X – vermutlich gegen 13½.
Ich habe wieder sehr fleißig gearbeitet, lauter Pflichtsachen, nichts für mich selbst. Gestern habe ich noch einmal den Riesenkasten mit den Geburtstagsbriefen vorgenommen und die ausgesondert, die noch zusätzlich etwas bekommen müssen. Das sind auch wieder so 30. Ich staune aber, wie viel ich in dem schrecklichen Juli schon bewältigt habe.
Heute Nachm. ½ 3 fahren wir also – kühn genug – nach Schenkenzell bei Alpirsbach (5 km) davon.) Wir sind einmal da durchgekommen, als wir von Schöneberg aus
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| in das Reinerzauer Tal gingen. Adresse Heiliggarten, bei Schreinermeister Müller – jedoch keine Verpflichtung, dorthin zu schreiben.[re. Rand] +) Denn der Ausflug ist kurz. Holzhausens wollen versuchen, am Samstag 27.9. abends auch in der Nähe unterzukommen, vielleicht in Reinerzau. Dann hätten wir 2 Tage zusammen, einen davon für den schwierigen Besuch bei der "Großmutter" Jenny. Christiane ist nach dem Keuchhusten leider noch nicht auf dem Posten. Vielleicht ist Luftveränderung gut. H.s gehen dann in den Leinshof bei Kloster Reichenbach, wozu ich mich nicht verstehen konnte. Am 30.9. abends müssen wir wieder zu Hause sein. Von 1. bis 4. Oktober habe ich vormittags und nachmittags Prüfungen, 7. u. 8. Oktober Frankfurt/M., 9. Oktober bei Heuß.
Vor der Abreise muß noch viel erledigt werden. Deshalb für heute nur diese Mitteilungen. Ich danke nochmals für die liebe Blumensendung; für die Zeitungen desgleichen. Herrn Buttmi habe ich direkt geschrieben.
Sparen mit der Heizung wäre absolut gegen meinen Sinn. Hoffentlich bewährt sich die neue Hilfe. Herzliche Grüße an Frau Mädi (im Hinblick auf ihren Besuch meinte ich das oben bei +)) Ida war mit dem <li. Rand> Besuch des Oktoberfestes (der eigentlich einer alten Herrschaft galt) sehr zufrieden. Sie und Susanne grüßen herzlich. Innigst wie stets Dein
Eduard.