Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Dezember 1952 (Tübingen)


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Tübingen, 13.XII.52.
Meine einzige Freundin!
Es freut mich, daß Du den Besuch von Schwidtals gehabt hat. Es sind doch alte gute Freunde. Daß es in Deiner Nähe keine jungen Leute geben sollte, die Dir die Heizung aus dem Keller holen, glaube ich nicht. So etwas tut ein junger Mensch doch schon aus Hilfsbereitschaft – auch ohne Vergütung. Frage mal Buttmis nach solchen Rittern; sie werden gewiß manchen wissen.
Auf den Schweizer Vortrag folgte gestern der in Schwenningen. Es war teils Schnee, teils Regen, jedenfalls trotz der 730 m Höhe Tauwetter und auf den Straßen eine gräßliche Schlampampe. Auch war der Tag – 8 Uhr Abfahrt, 21 Uhr Rückkehr etwas lang. Aber bei dem jungen Pfarrerehepaar war es nett, der Vortrag fand bei den 200 alten und sehr jungen Hörern eine freundliche Aufnahme und
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| führte sogar zu einer frischen Diskussion.
Inzwischen ist nun auch die Rede für Hamburg so ziemlich fertiggestellt. Wir fahren hier am Donnerstag um 10.30 ab, dann über Würzburg und sollen gegen 23 Uhr in Hamburg sein, wo wir im Hôtel Atlantic – also zu nobel – wohnen werden. Freitag 16.30 Festakt mit m. Rede im großen Saal des Rathauses. 19 Uhr Festessen mit ca 60 Personen. Um 23 ½ Abfahrt mit Schlafwagen. Wir kommen, wenn alles planmäßig geht, um <Lücke> Uhr durch Heidelberg. Naturgemäß werden wir so erschöpft sein, daß wir uns an diesem Tage dort nicht aufhalten können. Auch ist es angezeigt, am Samstag vor Weihnachten [] (!) auf den Platz, den wir hoffentlich haben, nicht zu verzichten. (II. Kl. vermutlich vorn im Zuge.) Wenn Du das Opfer bringen willst auf den Bahnhof zu kommen, dann jedenfalls nicht bei kaltem oder gar windigem Wetter und nur bei Laune und günstigen
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| Befinden.
Ich mache heute schon den Vorschlag, daß wir uns am Sonntag, 28.XII. in Bietigheim treffen – unter den gleichen Voraussetzungen wie oben. Züge werde ich noch mitteilen. Knapp 2 Stunden hin und ebenso viele zurück ist vielleicht nicht zu anstrengend? Für Bietigheim selbst können wir, weil es Winter ist, nicht mehr als ca 5 Stunden in Aussicht nehmen. Bitte erkundige Dich, ob es von Heidelberg nach B. Sonntagskarten gibt.
Am 16.I. werde ich dann wohl eine Nacht in Heidelberg bleiben, am besten in der Pension ......? [über den Punkten] Rodrian in der Bünsenstr.
Du siehst – Termin reiht sich bei mir an Termin, und man weiß nicht, ob man für so ein Leben lange die Kraft behält.
Heute war Bollnow bei mir. Er hat nun den Ruf nach hier, und da er brennend gern kommen möchte, ist nicht anzunehmen, daß die Verhandlungen ganz scheitern werden. Allerdings
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| haben die Ordinarien überall höheres Gehalt als hier. G. Krüger, der etwa ⅓ tat, soll schon gegen 4–5000 M mehr als ich gehabt haben.
Wir waren am letzten Sonntag in einer netten Singspielveranstaltung. Am Tage zuvor auf dem Kapf – aber davon habe ich schon geschrieben. Sonst bleibt nicht viel Bewegungsfreiheit, weil das Seminar sehr häufig auf den Montag verlegt werden muß.
Bietigheim denke ich mir als unser gegenseitiges Weihnachtsgeschenk. Sonst habe ich leere Hände, aber – wie stets – ein volles Herz.
Nun pflege Deine Gesundheit nach besten Kräften, halte Anstrengungen und Aufregungen nach Möglichkeit fern!
Du siehst an meiner Schrift, daß ich übermüdet bin. Habe Nachsicht mit dem Geschreibsel und sei innig gegrüßt von Deinem
Eduard
samt Zubehör.

[] Als ich die Lücke im Text ausfüllen wollte, sah ich mit Schrecken, daß der Zug über Mannheim u. nicht über Heidelberg geht. Da nun die Kraft zu mehrmaligem Umsteigen nicht reichen wird, gelingt leider dieser Plan <li. Rand> nicht. Sollte aber Bietigheim nicht passen, so komme ich am 28.12. auch nach Heidelberg.