Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13./14. Januar 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 13.I.1952
Mein liebes Herz!
Mein gewohnter Schreibesonntag ist heut vergangen mit einem Kaffeebesuch bei Hérancourt's. Es war ganz gemütlich mit Frau Buttmi zusammen, die es genießt, mal nicht die Großmutter hüten zu müssen. Man muß zuweilen miterleben, wie zermürbend diese trostlose Aufgabe ist, um zu beurteilen, wie viel Gesundheit sie der Schwiegertochter kostet. – Ich hatte gehofft bei dieser Gelegenheit in Erfahrung zu bringen, wann und wo Deine Rundfunk-Ansprache für Kerschensteiner stattfinden werde? Im Wochenprogramm der Zeitung steht nichts, aber man riet mir, morgen im Sendehaus, in der Marstallstraße nachzufragen. Aber ganz leise hoffe ich noch, daß Du mirs vielleicht noch mitteilen kannst. Daß der Todestag
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| am 15. ist, ersah ich aus der Lebensbeschreibung.
Wie bist Du durch den Post- und Portosturm der Jahreswende gekommen? Bei mir sind trotz etwa 35 erledigter Sachen immer noch einige Restbestände, die noch auf mein Gewissen drücken. Dabei kommen nun schon wieder neue Fälle, bei denen michs zu schreiben drängt. In Berlin hatten sie gerade am Neujahrstag die jüngste Tochter der Lili mit einer Blinddarmoperation zu pflegen, und in Tutzing ist Martina ernstlich krank gewesen an Blasenentzündung. Daß sich doch die Kinder immer Ferien und Festtage für solche Sachen aussuchen! Die viele Schreiberei ging zeitweise ganz rasch, aber jetzt bin ich richtig lahm geworden und weiß auch garnicht mehr, wann ich Dir zuletzt schrieb. Auch Lektüre, die mich interessiert, gleitet sogleich wieder von mir ab, und ich habe Verlangen nach Stille und Sammlung. Ich bekam die kleine Sammlung der Geschwister
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|briefe von Clemens und Bettina v. Brentano, die Ina Seidel im Piper-Verlag herausgab. Da hat es mich ganz frappiert, wie verwandt die traumhaft andeutende Sprache der Bettina bei der Erzählung ihrer Kindheitserinnerungen an das kleine Buch von Ina Seidel selbst gemahnt. Aber ich lese alles ein paarmal hintereinander, um doch mehr als nur einen Gefühlseindruck davon zu behalten. – So geht es mir auch mit dem grauen Büchlein vom Suhrkamp-Verlag, 1946, von dem ich durchaus nicht weiß, wer es mir schenkte!! Es heißt: eine Familie aus Megara, von Julius Overhoff, und ist eine politisch, weltanschauliche Dichtung, verhüllt durch antike Einkleidung. Für mich hat es einen großen Reiz.
Aber jetzt muß ich an alle, die mir Päckchen schickten eine Rundfrage richten, um zu ergründen, woher es kam?
Sehr liebe Briefe hatte ich von Mädi, vor und nach dem Fest. Und sonst noch von Grete Eggert,
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| sehr verständnisvoll und begeistert von Deiner Bonner Rede. – Von Frl. Silber kam eine Karte, und von Johanna Richter 5 Büchsen Honig, wie im vorigen Jahr. – Sehr herzlich habe ich mich über Susannes Brief gefreut, und daß sie mich so liebenswürdig über meine zerstreute Hast bei der Absendung meines Weihnachtsbriefs beruhigte. Es ist schon sehr lange mein Wunsch, mal mit ihr ohne Deine Anwesenheit zusammen sein zu können. Wir würden uns bestimmt gut verstehen. Aber das wird schwer zu machen sein.

14.I. Soeben kam Dein lieber Brief; hab vielen Dank, daß Du mir trotz allerlei sonstiger Schreibpflichten doch auch geschrieben hast. Aber es betrübt mich, daß Du Dich nicht wohl fühlst. – Ich begrüße es sogar, daß die Aussicht auf die Ablösung vom Lehrberuf Dir erwünscht erscheint. Deine Wirksamkeit hört damit ja nicht auf, das weißt Du. – Vom Rundfunk schreibst Du nichts, so habe ich aufgegeben beim Sender nachzufragen, denn es ist ganz abscheulich nasses Schneewetter. –
<li. Rand> Ich grüße Dich innig mit den lebhaftesten Wünschen für Dein Befinden.
<Kopf>
Immer
Deine Käthe.