Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19. Januar 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 19.Januar 52.
Mein liebes Herz!
Den ganzen Nachmittag habe ich mit einer mühsamen Flickerei zugebracht, aber nun möchte ich gern noch ein halbes Stündchen mit Dir plaudern. Draußen fielen dicke Brocken nassen Schnees, und ich dachte bei mir, hoffentlich mußtest Du nicht bei der abscheulichen Nässe im Freien sein! In der engen Peterstraße waren geräuschvolle Schlachten der Jugend, die schon so lange auf Schnee gewartet hat. Mich schreckt der Matsch und die vermutliche Glätte ab und ich genieße doppelt das warme Zimmer. Täglich denke ich mit Dankbarkeit beim Heizen an Dich, daß ich ruhig die nötigen Kohlen einschütten kann, die dann ganz still bis zum Abend
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| durchglühen, und daß mein Zimmer stets behaglich ist, wenn ich von einem Ausgang heimkehre. Bei Deiner Durchreise am Sonnabend oder Sonntag – (oder beides?) wirst Du Dich leider nicht davon überzeugen können. Aber ich werde sehr froh sein, Dich doch zu sehen, wenn auch so manches, was ich gern mit Dir bereden würde, dabei nicht zur Sprache kommen wird. Kürzlich war ich mit Dir im Traum auf der Insel Ketsch, aber auch nur kurz und flüchtig! Es wäre ja auch momentan nicht ratsam dort.
Meine so tapfer bewältigte Korrespondenz hat immer noch einige Restschulden zu tilgen. Aber es geht mir da wie Dir, manches ist rasch und kurz erledigt, manches geht freudig und flott vonstatten, manches muß mühsam ausgebrütet werden!
Recht unzufrieden bin ich darüber, was Du mir über die Vorbereitung der Fröbelfeier
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| schreibst. Ich bitte Dich inständig, nun nicht zu meinen, Du müßtest nun wieder alles ersetzen, worin die zuständigen Mithelfer versagen. Spanne andere an, die es in der Sache bestimmt gibt. Oder ist die Gemeinde da im Aussterben? Daß ich Dein stilles Mißbehagen an dem zu Feiernden teile, das weißt Du ja, aber mache nun nicht aus dem mangelnden Herzensbedürfnis eine umso größere Verpflichtung. Ich bitte Dich herzlich, überlege, wie es von Dir abzulenken ist. –  – Von der angekündigten Rundfunkansprache für Kersch. – ist zu mir nichts gedrungen. Fand sie überhaupt statt?
Und wie wird es wohl am nächsten Samstag sein? Wenn ich am Montag in die Stadt komme, will ich versuchen, ob die Auskunft etwas weiß von einer Verbindung TübingenNauheim, die etwa 15.35 etwa hier durchkommt.
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Unsre hiesigen Freitagabende fallen jetzt aus wegen der ständigen Abendaufregungen mit der Großmutter, die nicht ins Bett will, sondern fortgehen. Sie ist unberechenbar. Hérancourts haben mal wieder Aussicht auf eine andre Wohnung, am Ende der Bergheimer Str., halbwegs Wieblingen. Es ist noch ungewiß, und ich vermute, es wäre besser, wenn nichts draus wird. Hanne ist jetzt ohne Stellung und atmet auf. – Ich werde Frl. Held mal ermutigen, Euch aufzusuchen, denn es ist nur Zurückhaltung, daß sie es nicht tut. Du hast so viel zu leiden von unbequemen Besuchern, daß die angenehmen aus lauter Rücksicht nicht kommen. Deine schwarze Vermutung ist ganz abwegig!
Doch nun will ich doch rasch noch an die Post gehen, damit Du womöglich am Montag diesen Gruß hast. Grüße auch die Hausgenossen, Dir aber "innige Wünsche und herzlichen Gruß" wie immer.
Deine
Käthe.