Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. Februar 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14.II.1952.
Mein liebes Herz!
Gestern abend, um 6 etwa, kam das Ehepaar Buttmi, und schon an der Tür war ihnen anzusehen, welche Nachricht sie brachten. Man kann sie nur als Erlösung auffassen, und mit Dankbarkeit, daß bis zuletzt der Patientin im Haus die persönliche und treue Pflege zuteil werden konnte. Wie gut ist es, daß es nicht mehr länger gedauert hat, wie man eigentlich nach dem ärztlichen Befund fürchten mußte. So haben die Kräfte von der Schwiegertochter ausgehalten, und die ganze Familie atmet wieder auf. Das Ende der alten Frau war nach der unaufhörlichen Unrast der Krankheit ein
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| ganz stilles Verlöschen ohne jeden Kampf. Man hält es für einen Gehirnschlag.
Jetzt vermischen sich schon all die krassen Eindrücke und es bleibt nur ein großes Mitleid mit solchem von lange her vorbereiteten Auflösen menschlicher Persönlichkeit. –
Am gleichen Tage kam die Anzeige, daß Kohlers einen zweiten Enkel bekamen, in Ebersbach bei Ursel Platt, die mich vor kurzen noch in ihr neues Fremdenstübchen einlud.
Jetzt ist aber mein ganzes Interesse auf die Entwicklung des Wetters gerichtet – ob wir am 24. einen schönen Wanderweg machen können? Feste Schuhe sind da, der Rauhreif auf dem Königstuhl ist bezaubernd. Aber die Bergbahn an Sonntagen überfüllt. –  – Ich wäre froh, wenn Du mir die genaue Zeit von wann – bis wann angeben könntest! Und ob es nicht überhaupt garzu anstrengend für Dich wird? – ? Ich grüße Dich innig mit guten Wünschen für Dein Befinden.
Deine Käthe.