Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. März 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14.III.52
Mein liebes Herz!
Die ungewohnte warme Sonne da draußen weckt eine große Sehnsucht in mir nach einem frohen Wanderweg, nach Licht und nach Freiheit – nach Dir! Nie kommt mir mein Zimmer so kellerhaft vor, wie bei solchem Kontrast. So will ich wenigstens versuchen, Dir zum Sonntag noch einen Gruß zu schicken! Hoffentlich benutzt Du jede Gelegenheit, irgendwie in die Natur zu kommen. Der Aufenthalt in Liebenzell bei dem noch zweifelhaften Wetter war doch garzu kurz. Und außerdem wünsche ich Dir recht viel erfreuliche Eindrücke und innere Befriedigung bei der unermüdlichen Arbeit.
Mir ist es mit den Nerven nicht sehr gut gegangen. Die im Grunde unerfreuliche Zeich
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|nerei hat mich in keinem Verhältnis zur Leistung angestrengt und aufgeregt. Noch ist da übrigens noch immer kein Bescheid erfolgt. – Die überanstrengten Augen revoltierten gegen die ärztliche Verordnung und ich habe jetzt ein milderes Mittel und die Verordnung einer neuen Brille. — Die genaue Ankündigung vom Besuch meiner Schwester kam erst heut morgen, da sie einen ganzen Rattenkönig von Abstechern auf der Herfahrt verabredet hat, und ich inzwischen hier nichts ordnen konnte. Das war umso peinlicher für mich, als unser Männebruder unterdes erfuhr, daß sie herkommen wolle und sich dabei beteiligen wollte! Nun kommt Aenne aber vom 19.III. 17.04 bis zum 25. oder 26. her, und nicht für 3 Tage, wie ich vorher annahm und so nahm ich meine Abwehr gegen Hermann zurück und "gestatte" eine teilweise Beteiligung. Beide zugleich wären für mich nur Strapaze und keine Wohltat.
<li. Rand> Da hast Du ein Bild meiner letzten 14 Tage mit aller Nervosität — <Fuß> mit und ohne Grund.
<li. Rand S. 1>
Im Übrigen aber bin ich stiller Gewißheit und Liebe
Deine Käthe.

[Fuß S. 1] – Grüße die Andern!