Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. März 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22.III.1952.
Mein liebes Herz!
Damit doch womöglich am Montag der übliche Gruß bei Dir ist, will ich rasch ein Zettelchen schreiben. – Seit Mittwoch ist nun also meine Schwester hier und es fügt sich alles sehr hübsch zu unsern Gunsten, sogar das Wetter war gestern zu einem Besuch des Schlosses fein und trocken, wenn auch ohne Sonne. Wir vertragen uns wieder sehr gut und es lichtet sich allmälig die lange Zeit des Schweigens – Verschweigens zwischen uns. Ich lerne empfinden, wie sehr die Verblendeten durch den Zusammenbruch ihrer Illusionen nun vielleicht noch mehr zu leiden haben, als wir. Es kommen auch in äußeren Dingen so manche Einzelheiten zur Sprache, die mich über all das aufklären,
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| was all die fernen, nördlichen Verwandten durchmachen mußten – aber im ganzen geht es doch allmälich bei allen erträglich. – Einige der hiesigen Freunde haben wir besucht oder versucht, zu besuchen, aber es ist nicht weiter ausgedehnt worden. Und viel an alten Erinnerungen wird in Anknüpfung an Möbel, Bilder und Bücher lebendig. Aenne ist ja garnicht sentimental, und wir verstehen uns recht gut. Sie macht auch garkein Hehl aus den Irrtümern der Vergangenheit. Am Mittwoch, d. 26. reist sie früh morgens ab.
Vorhin haben wir einen kleinen Weg bei Sonnenuntergang in den "kühlen Grund" gemacht, nachmittags bei Regen Besorgungen in der Stadt.
Drohende Besuche sind ausgeblieben und so wird die Zeit ruhig und weniger anstrengend vergehen, als ich fürchtete. Frau Biermann schrieb auf meine offne Erklärung der Schwie
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|rigkeiten, ich wäre damit ihren Wünschen und eignen Plänen entgegengekommen. Das hat mich sehr beruhigt und erfreut. Sie verschiebt ihr Kommen auf den Mai.
Und im Hintergrund steht bei mir beständig die Aussicht auf den Sonntag, für den ich den Himmel beschwöre, sich wieder aufzuklären. Und in diesem Gedanken sei innig gegrüßt, und grüße auch die beiden Andern!
Deine
Käthe.

[] Aenne wußte nichts von meinem Schreiben. Sie läßt nun ausdrücklich Dich und Deine Frau sehr grüßen.