Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 26. März 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 26.III.52
Mein liebes Herz!
Es kommt wieder nur ein kurzer Gruß, was ja auch in Anbetracht des erhofften Zusammenseins am Sonntag natürlich ist. Heut morgen 8.10. habe ich meine Schwester an die Bahn gebracht. Ein eisiger Wind fegte seinen Schneestaub über den Bahnsteig, und ich ging diesmal vor Abfahrt des Zuges fort, was ich bekanntlich sehr ungern tue. Die Tage ihres Besuches waren eine wirklich schöne Zeit ohne jede Trübung. Ich werde Dir davon gern erzählen, wenn Du es gern hörst! Wir waren auf dem Schloß, auf dem Friedhof und am Sonntag zum Kaffee auf dem Bierhelder Hof, zu Fuß durch den kühlen Grund und über den Ehrenfriedhof zurück. Sonst war überwiegend schlechtes Wetter, oft starker Regen.
Auch bei Euch? Konntet Ihr sonntags ins Freie?
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| Besuch machten wir bei Heinrichs und Buttmis, vergeblich bei Elsbeth Gunzert und bei Hedwig Mathy telephonisch umsonst Anfrage. So hatten wir viel Zeit für uns, kochten nur 2 Tage anfangs zu Haus und aßen dann auswärts im "Bergfried" an der Landstraße. – Die Freundschaft ist wieder viel krank. Bei Mathy's die Schwester Hilde Franz, von Hedwig gepflegt, bei Héraucourts die Tochter in Tiefental rief die Mutter zur Hilfe, und inzwischen lag hier die arme Hanne an Grippe mit hohem Fieber allein, was ich heut bei ihr erfuhr. Denn von der Bahn ging ich in die Stadt, um endlich den Schein für die neue Brille von der Kasse zu holen und von dort ans Ende der Welt, wo man durch Bauschutt und Schlamm fast nicht ankommt. Sie sind doch da recht fern von aller Freundschaft.
Jetzt denke ich nun noch nach Möglichkeit Dankbriefe zu schreiben und mich viel
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| auszuschlafen, denn es wurde doch abends meist ein wenig spät. Auch macht sich ja jetzt die Wintermüdigkeit bemerkbar. Wie geht es Dir? Wenn ich von mir schließen darf, was ja oft zutreffend ist, kannst Du zufrieden sein. Ich hätte sehr gern mal was darüber gehört. –
Die Stimmung im Hause ist nach wie vor liebenswürdig, wie ausgetauscht. Möge es so bleiben!
Die Äquinoctialstürme haben schon begonnen. Heut gab es viel kalte Regenschauer mit eingestreuter schöner Sonne. Wenn doch am Sonntag ein gutes Wanderwetter wäre! Bis dahin lebe wohl, grüße Susanne herzlich und auch Ida, und freue Dich mit mir auf den Sonntag!
Immer in innigem Gedenken
Deine
Käthe.