Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 2. April 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 2. April 1952.
Mein liebes Herz,
wie sehr habe ich mich über Deine liebe Karte gefreut! Vielen Dank. In Gedanken habe ich Dir auch schon geschrieben, denn ich muß doch melden, daß ich wie ein begossener Pudel auf dem Bahnsteig stehenblieb, als der Zug so mir nichts – Dir nichts davon fuhr! Daß Dir diese Eile garnichts nützte, sondern noch Unkosten machte, ist wirklich ärgerlich. Seitdem bessert sich das Wetter zusehends auf, allerdings mit Kälte. – Mein Weg in die Stadt verlief nach Vorschrift, aber beim Uhrmacher war der Wecker nicht fertig, dagegen die Brille ist, wie es scheint, recht gut für meine Augen. Gegen 11 kam ich nach Haus, machte mir Essen zurecht und wollte gern etwas schlafen, da klingelt es und es erscheint eine Frau mit Kopftuch, genau
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| wie damals am 24.II. Diesmal brachte sie keine Torte, sondern ein Blumenstöckchen und zwar von einer Dame, mit der sie von Freiburg mit der Bahn gefahren war und die ihr den Auftrag gab –  –  – Maria Dorer! Bereits bei der Rückkehr aus der Stadt hatte ich einen großen Brief von ihr bekommen, eine Schrift über Berlin, die gleichzeitig auch an Dich abgegangen sei! – Es war wieder eine nette Rohrbacher Bürgersfrau, die da zu mir kam, und diesmal ging es zum Glück ohne Schlaganfall ab. Und auf den Aufsatz über das alte Berlin freue ich mich, – mit schmerzlichem Unterton. –
Als die Frau weg war, wollte ich wieder gern schlafen, aber da fiel mir zum Glück ein, daß ja zum Kaffee Gisela Gaßner, Onkel Hermanns Enkelin, mit Tochter kommen wollte. Also: Bett in die Truhe geräumt, Kaffeetisch gedeckt etc. etc. –  –
Es klappte noch so ziemlich, daß ich doch eine halbe Stunde ruhen konnte. Die Beiden kamen pünkt
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|lich, und die neunjährige Heike ist ein zutrauliches, natürliches Kind, bei der ich aber nicht die mindeste Erinnerung von Familienähnlichkeit finden kann. Sie hat in Bischofswiesen nur die Erlaubnis der Schule zur Reise bekommen, wenn sie in Mannheim die 3 Tage in die Schule geht!! Welch Unsinn! Ihr aber ist es ganz amüsant. Auch der Besuch bei mir war nicht sehr ergiebig, denn ich war recht abgespannt, und darum nicht sehr in Stimmung. So bin ich etwas unbefriedigt.
Dagegen hat Trudel Nitsche die Nachricht mitgebracht, daß der Autor die abgeänderte Zeichnung genehmigt hat und ich soll nun die Berechnung einsenden. So spare ich mir den Besuch beim Verleger. Ich bin noch zweifelhaft, ob ich das Geld für das Beziehen des Lehnstuhls oder für einen neuen Füllhalter anwenden will, denn der ist auch recht nötig. Und dann der gute, alte Regulator – ? – auf alle Fälle wird es nützlich sein, denn alles ist hilfsbedürftig.
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Und am 17. April wird wieder eine Durchreise sein! Es ist nur gut, daß Du mirs beizeiten meldest, denn ich werde in der Woche mal meine östliche Monatsfrau mit ihrem Töchterchen einladen müssen, wovon schon lange die Rede ist. Da kann ich das passend machen. Am Palmsonntag kommt Eveline Steidel mit Mutter aus Kirchheim. Darauf freue ich mich, in beiden Fällen. Morgen ists problematisch, bei Frl. Seidel, wo wahrscheinlich ihre Wirtin dabei sein wird. – Aber bei all dem Betrieb kommt die Schreiberei immer zu kurz, denn ich bin immer so fühlbar blutleer im Kopf, und die Gedanken gehen ebenso schwer wie die Füße.
Und jetzt will ich noch an den Briefkasten gehen, und dann ins Bett. Hoffentlich hattest Du inzwischen erfreulichere Arbeit als hier die Sitzung, und bleibst von unerwünschten Besuchen verschont. Grüße "alle hier" herzlich und denke freundlich an das naßkalte Heidelberg. Mit vielen guten Wünschen für Dein Ergehen und innigen Grüßen
Deine Käthe.