Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. Juni 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 3. Juni 1952
Mein liebes Herz!
Welch ein wunderbares Pfingstfest! Als Dein lieber Brief vom 29. Mai zu mir kam, erfüllte mich Deine Schilderung des Vortrags für die Rot-Kreuz-Schwestern mit Glück und Andacht, unwillkürlich falteten sich meine Hände in Dankbarkeit. Denn dies ist eine Ausgießung des Geistes gewesen, mitten in der modernen Welt. Wie fühle ich solche Stunde der Erfüllung mit Dir! – Auch das Verdienstkreuz rückte mir in diesen Zusammenhang, als ein Zeichen dafür, daß auch äußerlich eine wachsende Erkenntnis von der Bedeutung Deines Wirkens sichtbar wird.
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| Und nun dieser Nachklang aus einer bedeutungsvollen Vergangenheit! Wie tröstlich ist es, zu fühlen, daß sie weiterlebt. Hier bin ich mit ganzem Herzen dabei, und ich beglückwünsche Dich, daß Dir diese Ehrung zuteil wurde. Und ich sage mit dem O.St.Dir. Haag, Du brauchst dieser äußere Zeichen nicht, denn Du hörst nur auf die "innere Stimme"; aber es strömt doch neue Kraft aus solcher Bestätigung von außen!
Erst gestern erreichte mich die Kunde von dem "Pour le mérite", denn am Samstag hatte die Zeitung ungelesen dagelegen. Ich hatte nur die politischen Nachrichten überflogen. In mir aber war ich immerfort mit Pfingstgedanken bei Dir. So schrieb ich den Brief an Susanne noch ohne
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| von der Ordensverleihung zu wissen. Aber auch sonst ist ja wirklich bei Dir eine Häufung der Anerkennung! Die Ehrenurkunde ist da nur so eine kleine Nebensache. Die bedeutungsvolle Zeitungsnachricht hattest Du mir aber erst nach der Festpause angekündigt, und ich erwartete sie recht gespannt und ohne jede bestimmte Vorstellung.
Wie war denn der Studenten-Fackelzug? Hier war ein solcher oft an Bismarcks Geburtstag.
Weißt Du, ich bin überzeugt, daß diese äußeren Ereignisse Deines Lebens gewiß auch manchen, der nicht von sich aus zu Dir fand, aufmerksam machen werden, eine Bekanntschaft mit Deinen Schriften zu suchen. Das wünsche ich unsrer deutschen Jugend.
Diese raschen Zeilen sollen Dich nur innig grüßen. Es sind inzwischen schon viel ungeschriebene Briefe an Dich abgegangen.
Trotz aller hohen Orden in immer gleicher Liebe
Deine
Käthe.