Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Juni 1952 (Heidelberg)


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<Seite 3 ist im Scan am re. Rand (1–4 Buchstaben) abgeschnitten>
Heidelberg. 22.VI.1952.
Mein liebes Herz!
Als ich am Freitag zu Haus meine Tasche öffnete, fand ich zu meinem Bedauern darin die übliche Schokolade, die ich Dir hatte mitgeben wollen! Überhaupt war die kurze Begegnung nur bei halbem Bewußtsein an mir vorübergegangen und es kam zu keinem persönlichen Wort. Ich glaube, es war in mir ein stiller Glaube gewesen, daß sich mir doch noch eine Möglichkeit eröffnen könne, zu der Fröbelrede zugelassen zu werden. Nun habe ich eben den Sonnabend über den ganzen Tag daran gedacht, wußte nicht einmal die Stunde der Feier. Jetzt aber suchen Euch meine Gedanken mit Recht wieder in
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| Tübingen, wo Du Dich nun täglich mehr wappnest für den Ansturm der Gratulationen.
Die beiden Ansprachen heut vormittag konntet Ihr ja leider nicht anhören, aber Ihr werdet den Text ja schriftlich haben, und Euch überzeugen, wie würdig und schön diese wissenschaftliche und menschliche Würdigung Deiner Lebensarbeit ist. Daß der Mensch in seiner göttlichen Bestimmung der Gegenstand Deines Wahrheitsforschens sei, wie echt und warm kam das zum Ausdruck. – Erinnerst Du Dich noch an das Ex libris, das ich Dir einstmals schickte? Warum mag es wohl Deinen Beifall nicht gehabt haben? Mir war es damals ungesucht gekommen als Ausdruck Deiner. Und das fiel mir ein bei dieser Rede. Es wäre ver
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|mutlich zu umständlich gewesen, diesen kleinen Stempel in jedes Buch zu kleben (Du wirst bemerkt haben, daß ich von meiner Schwester einen Absender-Stempel bekam. Vorläufig gerät er noch selten geradlinig auf den Umschlag!)
In Fortsetzung der abgelehnten Kaktusblüte kommt hier die Königin der Nacht, die am Samstag mich hier in der Zeitung überraschte. Sie ist offenbar eine nahe Verwandte derselben.
Wenn es möglich wäre, sind in diesen Tagen meine Gedanken noch mehr als sonst bei Dir. Ich werde mich sehr zusammen nehmen müssen, um die nötige Aufmerksamkeit für Hermann zu haben. Denn es ist doch sehr anhänglich und treu von ihm, zu kommen.
Nach Berlin und Rügen denke ich mit großer
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| Sorge, und das ist solch krasser Kontrast zu dem dankerfüllten Glück, mit dem ich Dein gedenke. Wir würden ja auch sonst nicht übermütig werden, wenn dieser böse Schatten fehlte!
Von Herzen wünsche ich Dir eine möglichst große Gelassenheit und Passivität gegenüber den unendlich vielen Beweisen der Dankbarkeit und Verehrung, die Dich überfluten werden, und vor allem recht viele Zeichen, die Dir sagen: es lohnt sich, zu leben!
Sei innig gegrüßt und grüße auch Susanne und Ida.
Von ganzem Herzen
Deine
Käthe.