Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. Juni 1952 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27. Juni 1952.
Mein liebes Herz!
Ich kann doch den Tag nicht beschließen, ohne Dir einen Gruß zu senden! Es war heut sehr still und schweigsam für mich, im Gegensatz zu Dir. Die zwei Tage mit Hermann hatten recht wenig Schlaf gebracht, und am 26. kam dann noch zu später Stunde die Radio-Sendung. Beide Gedenkfeiern hörte ich mit großem Wohlgefallen. Es war mir sehr beglückend, solch gerechte Würdigung Deiner Lebensarbeit durch verständnisvolle Freunde zu hören, und ebenso das Zeugnis für die immer bereite Aufnahmefähigkeit der Jugend durch den Studenten.
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Es wäre mir lieb, wenn Du ebenso wie ich heute, die Anstrengung der heutigen Feiern morgen durch Ruhe ausgleichen könntest, aber ich fürchte, das ist in diesen letzten Semestertagen wohl nicht möglich. Und so muß ich hoffen, daß herzbewegende Freude auch Kräfte gibt, sie auszuhalten!
Meine große Freude war heut die liebe Sendung der Fröbelrede. Und außerdem war mir die strahlende Sonne und der klare Himmel ein wohltuendes Symbol für den Beginn Deines neuen Jahrzehnts. Und so fange es freudig und zuversichtlich an im Bewußtsein der überzeitlichen Werte, die Du weiter zu geben hast, in einem reichen Lebenskreise, und immer auch in der Ferne umgeben von der Liebe
Deiner
Käthe.